27.10.05 – Ausstieg vom Ausstieg oder die Wunder der Energie

Die hohen Energiepreise gefährden die Aluminiumbranche in Deutschland, in der 73000 Menschen beschäftigt sind. Mehreren Hütten droht die Schließung, so der Verbandschef.

Und sofort treten die Retter auf den Plan. Und welche Vorschläge haben sie? „Ausstieg vom Ausstieg“! Deutschland muss die Kernenergie forcieren, der Atomausstieg muss rückgängig gemacht werden. Da rechnet sogar einer vor, dass dadurch die Stromkosten um 25% gesenkt werden können. Obwohl andere behaupten Atomstrom sei teuer. Der kühne Rechner behauptet sogar, dass der Bürger nicht nur die 25% einsparen könne, sondern noch weiter profitieren werde. Beispielsweise würden die Autos billiger. Denn die Zulieferer der Autobranche kommen zum großen Teil woher? Aus der Aluminiumbranche natürlich, und die kann mit Atomstrom sich nicht bloß vor dem Sterben retten, sondern auch noch gleich viel billiger produzieren.

Ihr sagt: das ist ein Märchen? Da glaubt Ihr nicht dran? Ehrlich, ich glaube – auch nicht dran. Aber ich hab’s gehört, auf dem Deutschlandfunk, den kühnen Denker gibt es wirklich.

Das hier ist keine Phantasie: Die 6 größten Energiekonzerne der Welt verdienten von Juli bis September fast 34 Mrd. Dollar. Exxon hatte einen Zuwachs von 75%, Shell von 68% und BP erreichte immer noch 34% Gewinnsteigerung. Die Nummer 6 der Branche schaffte satte 250%. Was sagen diese Zahlen? Es gibt nur eine Wahrheit: einziges Ziel der Energiewirtschaft ist der Profit, dem Bürger etwas zu schenken (oder auch nur zurückzugeben) wäre das Letzte. 

Zuletzt noch eine Meldung: Am preiswertesten ist in Deutschland der Strom aus Braunkohle, die hat die geringsten Förderkosten. Und wo wird die meiste Braunkohle abgebaut? Richtig, im Osten (wenn auch viel weniger als zu DDR-Zeiten). Und wo ist deshalb die Energie am preiswertesten? Falsch! Natürlich im Westen, wo neben dem Strom auch Gas und Wasser deutlich preiswerter sind.