25.05.07 - Die
rollende EPOtheke
Eine Skandalmeldung jagt die andere. Sind die G8-Gegner
militant oder nicht? Sächsische Justiz- und Polizeibeamte in kriminelle
Geschäfte und die Rotlicht-Szene verwickelt. Doch die Meldungen sind dürftig,
Namen werden nicht genannt, man spürt förmlich die schützende Hand, welche die
Politik über dem Sumpf ausbreiten möchte. Und eine freie Presse, die Skandale
schonungslos aufdeckt, ist in Deutschland rar. Für die „Freie Presse“ in
Chemnitz jedenfalls ist das Thema drittklassig, es werden offizielle Statements
verbreitet, eigene Recherchen gibt es nicht. Schlagzeilen auf der Titelseite
machen dagegen Zabel, Rijs und Co. Da braucht es ja nicht viel journalistische
Leistung, wenn sich die Herren alle selbst auf dem Silbertablett präsentieren.
Allein 3 Teamchefs haben sich so geoutet: Rijs, Aldag, Henn. Und nur letzterer
zieht Konsequenzen. Die anderen, wie
auch einige nicht mehr aktive Fahrer, stellen klar: es waren die Zeiten
zwischen 1995 und 2002, da hatte man keine andere Wahl. Alle reden über Zeiten,
die sportrechtlich verjährt sind. Keiner redet über heute. Ulrich, Basso,
Landis – sie bleiben außen vor. „Wer
noch im System ist, kann sich nicht outen, ohne direkt seinen Job zu
riskieren", das ist der Hauptgrund für das eiserne Radsport-Gesetz des
Schweigens und Wegschauens. Der Sponsor
fordert Erfolg. Ohne Erfolg stehe die Zukunft des Teams auf dem Spiel und der
Vertrag für den Fahrer wird disponibel. Hier zeigt sich das Dilemma: der Fahrer
ist das schwächste Glied in der Kette. Die Verantwortlichen sitzen sich den
Hintern im Begleitwagen platt, doch darüber schweigen auch die Medien. Schlimm,
dass ein Universitäts-Team, die Freiburger Ärzte, an den Schalthebeln saßen.
Generalverdacht hin oder her, während man bisher allein den DDR-Sport mit
organisierten Doping-Methoden in Verbindung brachte, zeigt sich nun, das auch anderswo
das Thema wissenschaftlich vorangetrieben wurde. Eins ist wohl klar: wo viel
Geld von Sponsoren im Spiel ist, ist Doping eine zwangsläufige
Folgeerscheinung, zumindest bei allen Sportarten, wo die Physis entscheidet.
Weiter ist fragwürdig, warum gerade im Radsport EPO zum Standard werden konnte,
ohne dass es aufflog. Da gehört wohl viel Wegschauen dazu, wenn eben viel Geld
im Spiel ist. Deshalb kann es nur eine Konsequenz geben: Strafen nicht allein
für die Sportler, denen oft das Messer an die Brust gesetzt wird, sondern für
die „Unternehmen“, die Teams und ihre Hintermänner.