05.04.2007 – In memoriam Osterhase

Zur Osterzeit haben die Medien ein ansonsten völlig unbeachtetes Randthema aufgegriffen: Wie geht es eigentlich unseren Feldhasen? Dabei wird in Sachsen eine traurige Bilanz gezogen. Während es in anderen Bundesländern wieder aufwärts geht, befindet sich der Feldhase In Sachsen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, wie der NaBu mitteilt. 2006 ist der Bestand um weitere 15% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, und Sachsen hat die kleinste Population aller Bundesländer. Und das trotz Hasensaal auf Augustusburg, der auf bessere Zeiten hinweist. Die Gründe für die traurige Entwicklung seien nicht geklärt, heißt es meist. Dabei haben sich die Mitglieder des Landesjagdverbandes bereits 1995 verpflichtet, keine Hasenjagden mehr durchzuführen und in Zusammenarbeit mit den Landwirten die Lebensverhältnisse für Hasen zu verbessern. Doch die Praxis sieht anders aus, und das kann ich aus eigener Anschauung unterstreichen. Das Land hinter unseren Häusern gehörte einem kleinen Milchbauern. 12 Kühe, 10 ha Weideland, eine kleine Dreifelderwirtschaft für Futterpflanzen wie Mais und Gerste. Als wir 2000 herzogen, beobachteten wir täglich mehrere Hasen, die über die Wiese flitzten und in den kleinen Feldern abtauchten. Und das war nicht alles. Ein Dachs kam aus dem Maisfeld, und auf der Weide hatte an einer kleinen Erdspalte ein Hermelin seinen Bau. Welche Idylle! Doch wir wollten noch billigere Milch, und der Bauer musste aufgeben. Er verkaufte sein Land an die Agrargenossenschaft „Sachsenland“. Und die machte kurzen Prozess. Ökologischer Landbau ist ihr ein Fremdwort. Man hat auch Rinder, etwa 200, aber das sind Fleischrinder, Weide kennen die nicht, sie werden im Stall gemästet. Alles wurde umgepflügt, und jedes Jahr wird auf 200 ha Raps oder Gerste angebaut, Felder soweit das Auge reicht. Im Frühjahr kommt die Pestizidspritze, danach der Stickstoff. Hermelin und Dachs verschwanden sofort, Lediglich die Rehe, die besonders im Winter das Grünland nutzten, hielten in ihrem kleinen Wäldchen stand, wenn auch ihre Zahl auf die Hälfte zurückging. Nach 2 Jahren war auch der letzte Hase verschwunden. Wenn wir seitdem über die Hecke an unserem Garten schauen, dann nicht um die lustige Hasenhatz zu beobachten, sondern zu schauen, dass der Giftsprüher genügend Abstand hält. Denn wenn auch in der EU Tod und Teufel reglementiert ist, der Pestizidausbringung sind keine Grenzen gesetzt.
In der Hoffnung, dass der geneigte Leser dennoch ein paar Ostereier findet, wünsche ich ein Frohes Osterfest.