25.03.2007 – Fantasy und der rechte Glaube
40% der 15-jährigen nehmen freiwillig kein Buch zur Hand. Es gibt Jugendliche, die behaupten, dass Lesen zu ihren Hobbies gehört – das Lesen von Programmzeitschriften. Doch wie kann man das Interesse für eine der wichtigsten geistigen Übungen wecken? Goethe und Shakespeare sind Weltkultur, aber kaum als Saat geeignet. Wir haben heimlich Karl May geschmökert, und heute ist es Harry Potter. Doch Karl May hatte kaum Konkurrenz, vielleicht die Digedags, doch auch da musste man lesen. Heute kommen die Comics auf den Bildschirm – ohne jegliche Anstrengung. Also müssen sich die Schulen anpassen, sie müssen Alternativen bieten, die Interesse wecken. Klassiker oder Kinderbücher der Elterngeneration sind da kaum geeignet. Also hat man am Chemnitzer Kepler-Gymnasium Potter in den Lehrplan aufgenommen, auch wenn der künstlerische Wert umstritten sein mag. Kepler - ein Name als Programm für fortschrittliche Ideen? Doch nein, ein Elternpaar war der Meinung, Potter würde ihre religiösen Gefühle verletzen, das reichte für eine Kehrtwendung aus. Da sieht man wieder einmal, wie in Deutschlands Demokratie Einzelne, die nur laut genug zetern, die schweigende Mehrheit überstimmen dürfen und die Interessen einzelner über die Allgemeinheit gestellt werden. Fantasygeschichten von heute sind die Grimms Märchen des 19. Jahrhunderts. Die Auseinandersetzung mit Gut und Böse ist ein wesentliches Element der Erziehung, das hat – neben den Gebrüdern Grimm – auch ein gewisser J.R.R..Tolkien erkannt, der seine „Herr der Ringe“ – Trilogie nicht als Bestseller, sondern als Geschichten für seine eigenen Kinder aufgeschrieben hat. Und eine 14-jährige aus dem Erzgebirge, Sabrina Langer, wird mit ihrem Fantasy – Debüt „Der Elfenkristall“ zum Shooting Star der Buchmesse. Also, liebes Kepler – Kollegium, lasst Euch nicht von engstirnigen Ignoranten vom richtigen Weg abbringen!