13.01.2007 – Herr Flath und die Kindergartenpsychose
Da hat sich doch neulich einer meiner besonderen Spezis, der Herr Kultusminister Flath, zu Wort gemeldet, in einem Interview der Freien Presse Chemnitz. Für die, denen die sächsischen Regierigen nicht so bekannt sind: Steffen Flath wurde 1957 im Erzgebirge geboren und war als Dipl. –Agraringenieur in einem Agrotechnischen Zentrum und dem VEB Getreidewirtschaft Annaberg tätig und trat in die CDU ein. Also eine ganz normale DDR-Laufbahn, wie sie Millionen hier erlebt haben, polytechnische Oberschule, Abitur, Studium, Stelle im VEB, Mitglied einer Blockpartei. Mit den Blockparteien war das so: wer nicht in die SED und dennoch auf Karriere nicht verzichten wollte, suchte sich die NDPD, LDPD oder CDU aus. Die waren natürlich keine Oppositionsparteien, sondern mit der SED „brüderlich“ verbunden als Symbol einer Schein-Demokratie und ein Sammelbecken für Leute, die der SED nicht trauten, es aber auch nicht verderben und ihr Gewissen beruhigen wollten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Während der Wende sind sie dann aufgetaucht, verbrüderten sich mit ihren Parteifreunden im Westen, und so machten sie Karriere.
„Das SED-System hat die Eltern gezwungen, ihre Kinder in Krippen zu geben“ , behauptet dieser Experte nun. Wenn er ein „Zugereister“ wäre, könnte man solchen Unsinn ja noch als Demagogie abtun. Ob Herr Flath in der Krippe war weiß ich nicht (nach seinen Worten müsste er ja), ich weiß aber dass weder ich noch unsere Kinder da waren und niemand danach gefragt hat. „Kinder, die früh aus der Obhut der Mutter gerissen wurden, haben Bindungsschwäche entwickelt“, behauptet unser Experte weiter. Also eine einfache Formel (den Schwachsinn habe ich früher schon von West-Experten gehört): die DDR zwingt die Kinder in den Kindergarten, entreißt sie damit ihren Eltern, und schon hat ein ganzes Volk einen Stempel des Makels im Gesicht. Komisch nur, dass Millionen Ostdeutsche, die ihre Kindheit in der DDR verbrachten, zu guten Fachleuten, fleißigen Arbeitern oder gar Wissenschaftlern geworden sind, während man der heutigen Jugend, die ohne diesen Zwang aufwachsen musste, Illusionslosigkeit und Bildungsschwäche nachsagt. Herr Flath meint weiter, dass statt Kindergarten lieber die Eltern mit diesen spielen, vorlesen, die Natur zeigen oder musizieren sollen. Als ob das bei Kindergartenkindern ausgeschlossen sei! Meine Enkel gehen in den Kindergarten, weil beide Eltern arbeiten müssen, denn von den weniger als 1000 Euro Monatseinkommen, was der Vater oder auch die Mutter jeweils für eine 45-Stunden-Woche erhalten, könnte die Familie mit 2 Kindern nicht leben. Und da bei Frau von Leyens Elterngeld ja nur die Reichen profitieren, wie wir früher schon festgestellt haben, bleibt keine Alternative. Dennoch bekommen unsere Enkel vorgelesen, man spielt mit ihnen und zeigt ihnen die Natur. Übrigens, der letzte Brüller ist, dass Herr Flath die Familienpolitik der Frau von Leyen als Argument hernimmt, der CDU einen Linksruck zu unterstellen, haha. Und er fordert weniger staatlichen Dirigismus, dafür mehr Freiheit. Und er streicht denjenigen Kreisen, die sich seiner Schulpolitik widersetzen und eigene Wege zum Erhalt der Schulen suchen, kurzerhand die Fördermittel. Alles in allem, im Falle von Herrn Flath gibt es zwei Möglichkeiten: entweder er ist ein demagogischer Lügner oder er hat eine DDR-Psychose, die er sich im Kindergarten zugezogen hat.