29.12.2006 – wohin steuern wir im neuen Jahr?
Wieder ist ein Jahr vergangen. Wer Glück hat, kann ein paar Tage
ausspannen, neue Kraft auftanken in einer Zeit zunehmender
Menschenfeindlichkeit. Ja, der Druck auf jeden einzelnen wächst. Im Mittelpunkt
der Gesellschaft steht mehr denn je der Profit. Unfähige Manager von großen
Aktiengesellschaften sprechen verklärend vom shareholder value und meinen
kurzzeitige Maximalgewinne, vor allem wohl für sich selbst. Die
Vorstandsvorsitzenden etwa der Deutschen Bank schanzen sich 12 Millionen, von
Eon, SAP und Allianz je 6 Millionen Jahreseinkommen zu, und wer weg muss erhält
horrende Abfindungen, wie Herr Esser (Mannesmann, 15 Mio,), Hr Börsig (Deutsche
Bank, 17 Mio.), Herr Urban (Quelle, 10 Mio). Die Jugend wird von schlechten
Vorbildern geprägt. Geldgier, Korruption und Gewalt nehmen zu. Die soziale
Schere wird größer. In Deutschland gibt es eine drei Viertel Million
Millionäre, die Aldi-Brüder besitzen ein Vermögen von 35 Milliarden Euro. Die
Familieneinkommen hingegen sinken, ein kinderloser 2-Personenhaushalt hat im
Durchschnitt noch 1600 Euro, ein Alleinerziehender mit einem Kind nur noch 800
Euro monatliches Haushaltseinkommen. Wer sich mit HartzIV abfinden muss erhält
als Single 331 Euro (345 im Westen), eine Familie mit 2 Kindern kommt auf 944
(im Westen 1036) Euro. Auch der Staat
hält also weiter am West-Ost-Gefälle fest, nicht nur die „freie“ Wirtschaft. In
Frankfurt am Main verdient ein Maurer etwa 2600, in Schwerin hingegen 1600
Euro, und das zieht sich durch alle Berufsgruppen. Und während die Gehälter von Managern um 8% und von
Geschäftsführern um 3,5% gestiegen sind wird die miserable
Arbeitsmarktsituation skrupellos ausgenutzt, indem die Einkommensentwicklungen
der Arbeiter und Angestellten nicht mal die Inflationsrate ausgleichen. Im
Gegenteil, durch steigende Arbeitszeiten werden die Einkommen real gesenkt.
Natürlich, Wolfsburg konnte nicht als Vorbild dienen, dass aber mittlerweile im
ostdeutschen Dienstleistungsgewerbe die 45-Stunden-Woche Normalität ist, zeigt
drastisch den fortschreitenden Verfall sozialer Werte, wurde doch bereits ab
1960 in der BRD und immerhin ab 1976 auch in der DDR die 40-Stunden-Woche
eingeführt. Und der Staat beteiligt sich daran, indem er bei Aufträgen der
öffentlichen Hand den billigsten Anbieter – und das ist meist der nicht
tarifgebundene – auswählt und soziale Komponenten wie Tariflöhne und
Arbeitszeiten unberücksichtigt bleiben. Ja, die Zeiten werden härter, und wer
dem Druck nicht mehr standhält fällt durchs Sieb und wird von den Politikern
verhöhnt, auch von denen, die ein „sozial“ in ihrem Namen führen. Ich wünsche allen ein paar erholsame Stunden zum
Jahreswechsel, lasst die Korken noch mal richtig knallen!