23.09.06 – Gier

Stellt Euch mal vor, so um die 12 Millionen Euro im Jahr zu verdienen, und zwar sozusagen als Angestellter. Das ist etwa das Jahreseinkommen von Herrn Ackermann, Chef der Deutschen Bank. Erblasst Ihr da vor Neid mit Eurem 1000fach geringerem Einkommen? Wohl eher nicht, denn das ist ja jenseits von gut und böse. Was aber, wenn Ihr so um die 3,5 Millionen im Jahr verdienen würdet? Dann würdet Ihr Euch doch sofort als armes Würstchen fühlen! Warum der und warum nicht ich? Ja, und so hat sich Herr Kleinfeld von Siemens wohl gefühlt. Nur Mittelmaß, sozusagen ein Versager! Schluchz schluchz. Also hat der Siemens - Vorstand mal so beschlossen, seine Bezüge um 30% aufzubessern. Das werden so um die 8 Millionen im Jahr sein, allein Herr Kleinfeld kassiert davon eine Million. Ein nettes Zubrot, wenn man bedenkt, dass Siemens weitere 5000 Stellen streichen will, weil die Ergebnisverbesserung 2005 nur so um die 1,5% lag. Und das ist natürlich zu wenig! Aber während man den deutschen Arbeitnehmern seit Jahren vorjammert, wie schlecht es der deutschen Wirtschaft geht, und das man Kosten senken müsse - sonst wird dicht gemacht oder ins Ausland usw. usf. -bedienen sich die Herren Vorstände im Selbstbedienungsladen ohne Kasse und ohne Skrupel. Wenn wir von einer Gewinnsteigerung von ca. 30 Millionen ausgehen, kassieren also die 11 Vorstandsmitglieder ¼ für sich, der Rest geht an die 460000 Mitarbeiter, das sind 50Euro pro Nase. Ist doch super!  Interessant: bei Siemens gibt es leistungsabhängige Bezüge, jeder Mitarbeiter, vor allem natürlich das Management, wird an einer persönlichen Zielvereinbarung gemessen. 2005 hatte dieser Herr Kleinfeld ein Ziel verkündet: jeder Bereich soll soviel Geld verdienen wie sein härtester Mitbewerber. „Ich stehe persönlich dafür ein“. Nun, 6von 12 Bereichen sind weit von diesen Zielen entfernt. Aber was soll’s. Bei der Gier nach Geld verliert man irgendwann jeden Sinn für Realität. Eins aber ist sicher: wenn es Deutschland eines Tages wirklich so schlecht geht, wie es die Manager gerne herbeireden, weil sie einfach ihren Mitarbeitern nicht das gönnen was sie selbst sich zuschanzen, dann weiß ich: es lag nicht daran, dass die Menschen nicht bereit waren, den Gürtel enger und enger zu schnallen, sondern an der unmäßigen Gier der selbsternannten Steuermänner. Das Schlimme ist: nicht nur die Motivation der Siemens-Mitarbeiter ist verständlicherweise im Keller, sondern die Motivation einer ganzen Gesellschaft. Wohin das führt, haben wir vor 17 Jahren am Beispiel der DDR gesehen.