13.08.06 – Ein Bauernopfer für eine große Idee

Ein großes Bauvorhaben, von dem man in ganz Deutschland, ja in Europa und Übersee Notiz nehmen würde, das kann eines Mannes Lebenswerk bedeuten. Doch der Mann ist keineswegs Star-Architekt, nein, er ist Beamter. Und der Auftraggeber, die „öffentliche Hand“, hat normalerweise immer leere Kassen. Doch das Werk muss her, es geht um das Prestige einer Region. Und der Auftraggeber, vertreten durch die oberste politische Instanz der Region, macht Druck. Damit das Projekt keine fixe Idee bleibt, plant man sehr sparsam, zu sparsam, wie sich herausstellt. Und dann passieren Pannen über Pannen. Grundeigentümer spielen nicht mit. Fehler in der Planung müssen korrigiert werden. Denn eine Sportarena ohne Flutlicht – wie sollen da jemals Wettbewerbe mit Weltgeltung stattfinden können? Und die Kosten steigen und steigen, bald haben sie sich verdoppelt. Der Projektleiter zeigt Nerven. Er bittet von der Entbindung von seinem Posten. Doch sein Vorgesetzter will die psychische Belastung, unter der sein „bester Mitarbeiter“ leidet, nicht sehen.
Das ist heute kein Einzelfall, es gehört schon fast zum guten Ton, dass auf der einen Seite Leute in gut bezahlten Stellungen vor allem durch gescheite Reden sich in Szene setzen, aber die Verantwortung gern auf andere abwälzen, und dass Leute mit Engagement, die nicht NEIN sagen können, in die Schusslinien gerückt werden.

Nun, Herr Lenk, Landrat des Voigtlandkreises und Auftraggeber des Projektes Vogtland-Arena, will von der inneren Not, in der sich sein Projektleiter befand, nichts bemerkt haben. Dummerweise hatte die EU angekündigt, die Verwendung der Fördermittel zu prüfen. Was, wenn eine Millionenrückforderung droht? Natürlich steht es einem Landrat gut an, die Lorbeeren in Empfang zu nehmen, wenn solch ein Vorhaben gelingt. Aber für den Fall der Fälle, da wäre es doch praktisch, einen Sündenbock bei der Hand zu haben.

Doch der ist nun tot. Bauamtschef Degenkolb wurde erhängt in einem Waldstück gefunden, Fremdverschulden sei ausgeschlossen. Der Landrat zeigt sich erschüttert. Doch böse Zungen könnten meinen, dies sei für alle Betroffenen die beste Lösung. Vor allem natürlich für Herrn Lenk, denn Tote können sich nicht mehr verteidigen.