02.07.06 – Wie unsere Kinder das Steuersäckchen füllen

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist beschlossen. 3 Cent zusätzlich nimmt der Staat nun an jedem umgesetzten Euro ein, pauschal, ohne Ansehen der Person oder des Zwecks. Das heißt, dass auch Kinder ihren Beitrag liefern, oder anders ausgedrückt, Familien mit Kindern werden wieder einmal zusätzlich zur Kasse gebeten. Ein paar Zahlen sollen das verdeutlichen. Statistisch „kostet“ ein Kind in Deutschland je nach Alter zwischen 400 und 650€ pro Monat. Das ist der Betrag, den eine Familie in Ihr Kind investiert, indem es Dinge kauft, die ein Kind benötigt, um ernährt und gekleidet zu werden, aber auch eine angemessene Bildung zu erhalten und an Kultur und Freizeitangeboten teilzuhaben. Damit trägt jedes Kind bisher mit ca. 70€ monatlich zur Umsatzsteuer bei, ab 2007 werden das ca. 80€ sein (dabei ist angenommen, dass ca. ¼ der Kosten mit steuerermäßigten Produkten umgesetzt werden). Das heißt andererseits, dass etwa die Hälfte des Kindergeldes durch die Mehrwertsteuer gleich wieder kassiert wird. Noch eine Rechnung: Der Bevölkerungsanteil der Unter-20-jährigen in Deutschland beträgt derzeit ca. 18 Millionen. Nehmen wir an, diese Zahl entspreche etwa der Zahl der Kinder und Jugendlichen ohne eigenes Einkommen, so nimmt der Staat von den Kindern bzw. deren Eltern durch die Mehrwertsteuererhöhung mehr als 2 Milliarden Euro zusätzlich ein. Das ist mehr als die Hälfte des Etats der Bundesregierung für familienfördernde Maßnahmen, der in 2006 etwa 3,5 Milliarden Euro beträgt. Ich weiß nicht, ob ich mich so krass verrechnet habe, aber die Beispiele zeigen, wie es um die Familienförderung tatsächlich bestellt ist: Ab nächstes Jahr wird sie zum Großteil von denen refinanziert, für die sie gedacht ist, und die Mehrwertsteuererhöhung wird so zum Eigentor, wenn es um das wichtigste unserer Gesellschaft geht, um unsere Kinder. Angesichts der Tatsache, dass Blumen und Tiernahrung weiterhin vom ermäßigten Steuersatz profitieren, eine fatale Entwicklung.