12.05. 06 - Nein zur Einheitsschule – weil nicht sein
kann was nicht sein darf
Da hat Herr Flath, inzwischen vom Landwirtschaftsressort ins
Kultusministerium Sachsens gewechselt, schwere Geschütze gegen die Initiative „Eine
Schule für Alle“ aufgefahren. Ein Frontalangriff auf das gegliederte
Schulsystem sei das, der Versuch, die DDR-Einheitsschule wiederzubeleben. Nun
ja, Herr Flath hat selbst die Polytechnische Oberschule der DDR absolviert, und
nach eigenen Worten war er ein „Spätzünder“. In der DDR mussten Kinder sich
erst nach Klasse 8 entscheiden, ob sie das Abenteuer Abitur in Angriff nehmen,
und selbst wer erst in Klasse 10 erkannte, dass er das Zeug dazu hat, hatte
noch die Möglichkeit zum Abitur. So hatten auch Spätzünder ihre Chance, und
Herr Flath hat es bis zum Minister gebracht. Und es gab zahlreiche
Fördermöglichkeiten, es gab sprachlich oder naturwissenschaftlich orientierte
Klassen, und es gab im Arbeiter- und Bauern-Staat sogar eine Eliteförderung,
nämlich an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät, und nach meinen persönlichen
Erfahrungen ging es da allein um Leistung und nicht um Herkunft, wie der Name
vermuten lässt.
Unser „neues“ mittelalterliches gegliedertes Schulsystem
hingegen trennt vor allem nach sozioökonomischen
Gesichtspunkten. Natürlich schicken alle „Bessergestellten“ ihre Kinder aufs
Gymnasium, während die Kinder sozial schwacher Familien oft schon aus Angst vor
den Kosten diesen Weg eher selten gehen. Denn hier entscheiden allein die
Eltern, nicht die Leistung. Keine Rede von Chancengleichheit, und das wird auch
durch PISA klar belegt.
Doch Herr Flath gehört wohl zu den Schwarz-Weiß-Malern, für
die nur gut ist, was aus dem Westen kommt.
Doch wenn wir etwas über den Tellerrand hinaus, etwa zu den
skandinavischen Ländern blicken, die bei PISA Spitzenplätze belegen, sehen wir
Schulsysteme, die denen der DDR sehr ähnlich sind. 10 Jahre gemeinsames Lernen
in Norwegen, Klassenstärken um 20, keine Sonderschulen sondern Integration und
Förderung. Die bestmögliche Bildung aller Kinder wird hier als eine notwendige
Investition in die Zukunft gesehen. Anders in Sachsen. Schlagzeilen aus dem
Kultusministerium machen hier allein die permanenten Schulschließungen. Hier
hat Bildung keinen Wert, sondern ist wohl nur ein Kostenfaktor, auch wenn
Wahlplakate ständig das Gegenteil behaupten.