15.03. 06 – Die deutsche Einheit und die Stasi

Kluge Köpfe gibt es in allen Parteien, auch in der CSU. Das ist um so bemerkenswerter, da es sich bei dieser Partei ja um eine lokal in einem der konservativsten alten Bundesländern agierende handelt, deren Vorsitzender schon mal gerne ins Fettnäpfchen tritt, wenn es um den Osten geht. Nicht so Parteikollege Gauweiler. Das System der Stasiüberprüfungen sei nach all den Jahren überzogen und überholt. „Ein Volk kann nicht ununterbrochen in Verfolgte und Ankläger eingeteilt werden“, sagte er der Chemnitzer „Freien Presse“. Einem Opfer des SED Regimes gehe es nicht besser, wenn 16 Jahre nach der Wiedervereinigung das Heer der Mitläufer mit solcher Rachsucht verfolgt werde, und zwar von Leuten aus dem Westen, die kein Problem damit hatten, mit der allerobersten Spitze der DDR und der Sowjetunion schön zu tun. Wie man sich im 18. Jahr nach dem Mauerfall bei Leuten aus der 30. Reihe austobe sei – mit Blick auf den Fall Steuer – empörend. Jeder habe irgendwann das Recht auf eine zweite Chance.
Solche und weitere Worte in diesem Sinne wünschte man sich auch mal von ein paar Politikern aus dem Osten oder den Parteien, die angeblich den politischen Fortschritt verkörpern. Leider Fehlanzeige. Ist es die Angst vor der eigenen Vergangenheit?

Gern vergleicht man das SED-Regime mit Stalin und Hitler und vergisst, dass die DDR ein friedliches Ende gefunden hat, ohne Völkermord. Und man vergisst, dass in den Nachkriegsjahren „normale“ Nazi-Mitläufer ihre Chance erhalten haben, im Westen wie im Osten.