23.02.06 - „Saubere“ Spiele – ein Wunschtraum

Als die russische Biathletin Pyleva wegen Doping gesperrt und ihre Medaille aberkannt wurde, glaubten wir schon, das obligatorische Schwarze Schaf sei gefunden, denn irgendeiner wurde bisher immer erwischt. Doch weit gefehlt. Die Italiener mit den schärfsten Anti-Doping-Gesetzen der Welt machten einfach mal eine nächtliche Razzia, um einem Verdacht nachzugehen. Im Visier waren die österreichischen Langläufer und Biathleten, um deren sportliches Fortkommen sich ein gewisser Herr Mayer kümmert(e). Jener Herr Mayer war als Trainer 2002 mit dem Besitz von Dopingmitteln in Verbindung gebracht und deshalb bis 2012 von allen Olympischen Turnieren ausgeschlossen worden. Nun, so war er diesmal eben als Privatperson in Turin, denn offiziell durften die Ösis ihn ja nicht mitnehmen. Und siehe da, obwohl zunächst ein Gezetere ansetzte und die Aktion nicht nur von den Betroffenen selbst als menschenunwürdig bezeichnet wurde, da Carabinieri wurden wieder fündig. Das Ergebnis: zwei Athleten und ein Trainer auf der Flucht, und natürlich jener Herr Mayer, der während der Spiele im Quartier der österreichischen Biathleten und Langläufer ein- und ausging. Nun schnappen die Verantwortlichen Österreichs nach Luft und blubbern verstört. Ja, mein Gott, hat denn niemand den Herrn Mayer gesehen? Oder hat man dessen Treiben stillschweigend geduldet? Der Ruf der Athleten ist sowieso ruiniert, aber wenn das ganze organisiert war wie es in diesem Fall scheint, gehört das ganze NOK Österreichs an den Pranger, und eine Olympiabewerbung wie die von Salzburg sollte zurückgezogen werden.

Immerhin legen alle Sportler und Offiziellen bei der Eröffnung der Olympischen Spiele einen Eid ab, indem sie sich zu einem fairen Wettkampf, ohne unerlaubte Mittel, bekennen. Schon des Eides wegen sollten Sportler, die diesen Eid brechen, neben den üblichen Sperren in ihrer Sportart grundsätzlich von Olympischen Spielen auf Lebzeiten ausgeschlossen werden. Und Funktionäre, die da mitmachen, natürlich auch. Denn Doping ist das eine, ein Eidbruch aber darf nicht ohne Folgen bleiben.

Schließlich zeigt dieses Beispiel, dass der Spitzensport wohl niemals sauber sein wird. Offenbar geht es nur darum, sich nicht erwischen zu lassen, und gerade beim Blutdoping scheint es da eine große Grauzone zu geben. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass nur unsere Nachbarn aus der Alpenrepublik dies auszunutzen versuchen.