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Das muss man lesen!

Über den Vater der Hobbits, einen isländischen Dandy und einen uramerikanischen Humoristen 

  

Richard Wagners Musik ist viel besser als sie klingt.    Mark Twain

 

Halldor Laxness (1902 – 1998), Skalde und Menschenfreund
Einer seiner bewegendsten Romane endet beinahe (nur 2 Seiten folgen noch) mit einem Gedicht in der klassischen Sonett-Form:

 

Ob auch ein Grab dich birgt, du zartes Bild,
und dunkler Mull bedeckt dein Augenpaar,
drin einst des Dichters ganze Schönheit war,
o teurer Sternenblick, o Quelle mild

 - und ob die jungen Lippen starr und bleich,
die einen Mann in Fesseln einst gewärmt,
und ob auch deine Hände kalt, verhärmt
der Dichter fühlt sie noch so warm und weich;

doch sein Gesang, verstummen kann er nicht,
denn was du warst, du bleibst es, ewig jung,
und wohnst in ihm, nicht nur Erinnerung,

 

du wohnst in ihm als helles, reines Licht.
Was macht es, daß ein Grab dich ihm entrückt?
Du leuchtest ihm, er weint und ist beglückt.

 

Kennte man den Verfasser nicht, könnte man meinen, es stamme aus der Feder eines Lord Byron oder Percy B. Shelley. Schon das zeigt die dichterische Größe von Halldor Gudjonsson, der 1902 in einer damals weltentlegenen Gegend, auf dem isländischen Hof Laxness bei Mosfjellsbaer geboren wird. Seine Eltern haben es zu bescheidenem Wohlstand gebracht, und bald scheinen sie sich damit abgefunden zu haben, dass Halldor in der Schule „nichts wird“ und nur das Schreiben im Kopf hat. Immerhin zahlt der Vater die Druckkosten für das erste Buch des damals 17jährigen, „Das Naturkind“. Dann zieht Halldor in die Welt hinaus, zuerst natürlich nach Dänemark. Er liest Freud und Nietzsche und setzt sich mit den geistigen Strömungen der Moderne auseinander. Er konvertiert 1923 zum Katholizismus und lebt eine Zeit im Benediktinerkloster St. Maurice de Clervaux in Luxemburg. Hier nimmt er den Namen Kiljan an, nach einem irischen Märtyrer, und ist tief beeindruckt von der Bescheidenheit und Selbstvergessenheit der "Nachfolge Christi". Und dann veröffentlicht er 1927 den Roman "Der große Weber von Kaschmir", ein hochintelligentes, kulturkritisches und leidenschaftliches Buch, das den Autor mit einem Schlag in die vorderste Reihe zeitgenössischer Weltliteratur stellt. Man findet hier erstmals die Motive, die Laxness immer wieder beschäftigten: Gibt es eine Wahrheit, die größer ist als der einzelne Mensch und die unter allen Umständen anzustreben ist? Hier ist es der Katholizismus, doch später, in dem 1960 erschienen Roman „Das wiedergefundene Paradies“, versucht er eine neue Antwort:

 Der Bauer Steinar lebt mit seiner Familie in einer kargen Gegend Islands. Sein besonderer Stolz gilt der Bewahrung der isländischen Tradition. Steinar schenkt dem Dänenkönig sein ihm überaus wertvolles Pferd und folgt dessen Einladung nach Kopenhagen. Hier überzeugt ihn der Mormonenbischof Theoderich von seiner Lehre und lockt ihn ins Gelobte Land Utah. Hier meint Steinar, die bessere Welt gefunden zu haben, die er gesucht hatte. Er lässt seine Familie nachkommen, doch Steinars Frau überlebt die lange Reise nicht; seine Tochter wird von Theoderich zur Frau genommen. Dennoch glaubt er an dieses neue Leben. Doch am Ende muss er feststellen, dass das Lebensglück des einzelnen nicht vom Erlangen der ewigen Wahrheit abhängig ist, nach vielen Jahren steht er wieder vor den verfallenen Mauern seines heimatlichen Hofes und macht sich an den Wiederaufbau.

Laxness reist in die USA, er denkt ans Filmgeschäft. Dort lernt er den Sozialkritiker und Utopisten Upton Sinclair kennen, und fortan werden seine Werke sozialkritischer. Nach dem Roman Atomstation (1948), in dem er den „Verkauf“ Islands durch die Abgeordneten an die Amerikaner anprangert und die Gefahr einer atomaren Zielscheibe wegen der amerikanischen Militärbasen heraufbeschwört, wird er gar in die kommunistische Ecke gestellt, auch weil er aus seiner Sympathie für die Sowjetunion kein Hehl macht. Doch gerade dieser Roman war Auslöser für die Verleihung des Literatur-Nobelpreises, nachdem auch in den Jahren 1943 bis 46 die 3 Romane entstanden, die später in der Trilogie „Islandglocke“ vereint wurden und als Hauptwerk des Dichters gelten. Entgegen der übrigen Romane, die in der Neuzeit spielen, wird hier der Lebensweg von 3 Protagonisten aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts geschildert, als Island der dänischen Krone unterstand und sich die Bevölkerung auf der Insel durch Armut, Hungersnöte und dänische Unterdrückung in einer verzweifelten Lage befand. Für die lesebegeisterten Isländer war dies ein Höhepunkt, doch in Deutschland blieb das Echo verhalten; nur in der DDR waren die deutschen Übersetzungen des „linken“ Dichters gefragt. Spätestens der Einmarsch in Ungarn hat ihn eines besseren belehrt, und der Kommunismus war Geschichte.

Inzwischen hat der Dichter zum zweiten Mal geheiratet, hat 4 Kinder von 3 Frauen, und irgendwo in der mondähnlichen Einöde 20 km nördlich von Reykjavik hat er sein Haus Gjulfrasteinn (Schluchtenstein, ein wichtiger Platz seiner Jugend) gebaut, ein kleines, weißes Raumschiff, ein fremdartig wirkendes und doch perfekt in die Umgebung eingefügtes Gebäude, das durch Bauhaus-Elemente und fast mediterran anmutendes Flair überrascht. Auf dem Vorplatz ist ein weißer Jaguar-Oldtimer geparkt, und spektakulär an einer steil abstürzenden Felskante leuchtet der Swimmingpool. Heute ist es ein Museum, doch der Besucher wird in der Stube mit Kaffee bewirtet, als sei er bei der Familie Laxness zu hause.

Halldór Laxness, Islands Nationaldichter der Neuzeit, stirbt 1998, nachdem er die letzten vier Lebensjahre überwiegend im Pflegeheim verbracht hatte. Bereits in den 70er Jahren lassen seine geistigen Fähigkeiten nach, zuerst bereitet ihm das Lesen Probleme und er widmet sich mehr der Musik. 1975 schreibt er in „Auf der Hauswiese“, einem der letzten seiner großen Romane: "Nie habe ich gezögert, wenn Zeitungsleute ihre klassische Frage stellten: Welches Buch würden Sie mitnehmen, wenn Sie ein Leben lang auf einer verlassenen Insel mit einem einzigen Buch verbringen müssten? Ohne einen Anflug von Zweifel antwortete ich dann: Das wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach." Später kommt Alzheimer hinzu, dennoch ist sein Haus bis zuletzt Treffpunkt für Freunde und Kollegen aus der ganzen Welt. Denn sein Werk gilt der ganzen Welt, vor allem den ganz normalen kleinen, verwirrten und verschrobenen Leuten, er behandelt sie mit respektvoller Ironie, und seine Figuren sind immer mehr als das, was sie unmittelbar scheinen, sie sind immer auch ein Anspruch, eine Möglichkeit, eine Hoffnung auf ein besseres Sein. So gesehen, war Halldor Laxness einer jener Dichter, denen der heute altmodisch gewordene Begriff „Herzensbildung“ der Inbegriff seines Schaffens schien. Besonders deutlich tritt dies im bereits 1937 erschienen großen Roman „Weltlicht“ zutage, meinem Lieblingsbuch aus der „skandinavischen Ecke“, dem auch das Anfangs zitierte Gedicht entlehnt ist. „Weltlicht“ thematisiert die Stellung des Künstlers als Außenseiter. Laxness knüpft stilistisch zuweilen an die literarische Tradition der heimatlichen Skaldendichtung an und zeichnet ein menschliches Schicksal, das zutiefst berührt und zugleich Licht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse quer durch alle Schichten Islands wirft. Der Roman verwendet die Tagebücher eines Reykjaviker Volksdichters der 30er Jahre und mag auch autobiographische Züge haben. Am Ende jedenfalls hat der Dichter Olafur Karason die Schönheit gesehen, und damit die Unendlichkeit, und die wahre Liebe gefunden. So wie Halldor Laxness, dessen Liebe den Menschen galt, der die Schönheit in seiner Heimat fand und dessen Ruhm unendlich dauern möge.Laxness war ein Dandy, ein Snob, ein Idealist und Romantiker, und er hat der isländischen Literatur das Tor zur Welt geöffnet. „Ich bin ein Geschichtenerzähler, Gott hüte mich davor, die Welt zu retten.“

 J.R.R. Tolkien (1892-1973), Vater der Hobbits
 

Viele haben die phantastische Filmtrilogie über den "Herr der Ringe" gesehen.
Doch kann ich jedem nur empfehlen, sich auch die Bücher zur Hand zu nehmen. 

Tolkiens Werk ist vergleichbar mit dem mythologischen Wissen eines ganzen Volkes.
Natürlich haben keltische und germanische Mythen Pate gestanden, auch Geschehnisse der Weltgeschichte, wie die Einfälle wilder Reiterhorden aus dem Osten. Sogar Anklänge an die modernen totalitären Systeme findet man wieder.
Gerade deshalb ist es faszinierend, wie ein einzelner Mensch sich eine derartige völlig eigene Welt mit eigenen Göttern, Sagen, Orten, Gestalten, Sprachen ausdenken konnte. 

Der Herr der Ringe, Tolkiens Hauptwerk, erzählt die Geschichte des immer wiederkehrenden Sieges des Guten, verkörpert durch die Allianz der Elben und Zwerge mit den Menschen, über alle bösen Mächte, wobei Frodo Beutlin, ein Hobbit, zur zentralen Figur wird.

Der (kleine) Hobbit ist die Vorgeschichte zum Ringkrieg, es wird berichtet, wie Bilbo Beutlin während seiner Abenteuer in den Besitz des Ringes kommt.
Das Silmarillion erzählt die Sagen von den Anfängen der Welt, den Göttern Mittelerdes, der Erschaffung der Elben und Menschen sowie der Zwerge und anderer Wesen, aber auch von der Entstehung des Bösen. Und es berichtet, wie die Ringe geschaffen wurden.
Die Bücher der verschollenen Geschichten sind Tolkiens erste Variante über die Mythologie Mittelerdes, die 50 Jahre später im Silmarillion vollendet wird.
In den Nachrichten aus Mittelerde wird die Verbindung hergestellt zwischen den Anfängen der Welt, dem ersten Zeitalter, dem von Elben beherrschten zweiten Zeitalter und dem Geschehen um die Ringe der Macht im dritten Zeitalter, als die Herrschaft der Menschen anbricht. 

Rund um Tolkien gibt es noch zahlreiche Werke, die dem Verständnis dieses Lebenswerkes dienen, Atlanten von Mittelerde, Lexika über die Gestalten, die Sprachen u.s.w.
Besonders verdient gemacht um das Werk Tolkiens in Deutschland hat sich der
Klett-Cotta-Verlag.
 

John Ronald Reul wurde 1892 in Südafrika geboren. Seine Familie kommt ursprünglich aus Sachsen. Der frühe Tod des Vaters und, als er 12 war, auch der Mutter, waren vermutlich Auslöser für eine pessimistische, religiöse Lebenseinstellung, die nach dem Tod seiner Jugendfreunde, mit denen er einen literarischen Zirkel gebildet hatte, während des ersten Weltkrieges noch vertieft wurde. Die Welt war ständig im Machtbereich des Bösen, dem sich das Gute in einem ständigen Kampf entgegenstellen musste.

Weiterführende Informationen:  
http://www.jaganaud.de/tolkien/frame.htm

Mark Twain (1835 – 1910), Humorist und Humanist

Einmal versuchte ich, ein Laster einzuschränken. Eine Zeitlang ging das ziemlich gut. Ich gelobte, nur eine Zigarre täglich zu rauchen. Ich ließ die Zigarre bis zur Schlafenszeit warten, dann genoß ich sie schwelgerisch. Aber die Begierde verfolgte mich täglich und stündlich; und so ertappte ich mich noch vor Ablauf einer Woche dabei, daß ich größere Zigarren suchte, als die ich bisher geraucht hatte; dann noch größere und noch größere. Binnen vierzehn Tagen ließ ich mir Zigarren anfertigen – noch größere Exemplare. Sie wuchsen immer noch weiter. Binnen eines Monats war meine Zigarre zu solcher Größe angewachsen, daß ich sie als Krücke hätte gebrauchen können. Dann fand ich, daß die Beschränkung auf nur eine Zigarre keinen echten Schutz vermittelte, schlug mein Gelübde in den Wind und gewann meine Freiheit wieder.“
Diese hübsche Geschichte stammt von einem gewissen Samuel Langhorne Clemens. Er hatte erkannt, dass nicht das Laster selbst, sondern die Begierde bekämpft werden müsse. Weiter kann man hierzu auf den ersten Seiten seines Buches Reise um die Welt lesen:
„Das schien eine brauchbare Therapie zu sein; und ich empfahl sie einer Dame. Sie war gesundheitlich immer weiter heruntergekommen und hatte schließlich einen Zustand erreicht, da Medikamente nicht mehr wirkten. Ich sagte, ich wisse, daß ich sie binnen einer Woche wieder auf die Beine bringen könne. Das munterte sie auf, das erfüllte sie mit Hoffnung, und sie sagte, sie werde alles tun, was ich ihr rate. Also sagte ich, sie dürfe vier Tage lang nicht fluchen, trinken, rauchen und essen, und dann werde sie wieder wohlauf sein. Und es wäre genau so gekommen, das weiß ich; aber sie sagte, sie könne Fluchen, Rauchen und Trinken nicht aufgeben, weil sie so etwas noch nie getan habe. Da hatte sie es. Sie hatte ihre Laster vernachlässigt und besaß nun keine. Jetzt, da man sie hätte brauchen können, waren keine da. Sie konnte auf nichts zurückgreifen. Sie war ein sinkendes Schiff ohne Fracht, die man hätte über Bord werfen können, um dadurch das Schiff zu erleichtern. Ja, selbst eine oder zwei kleine schlechte Angewohnheiten hätten sie retten können, aber sie war moralisch einfach eine Bettlerin. Als sie diese Laster hätte erwerben können, hatten ihre Eltern sie davon abgebracht, unwissende Leute, wenn auch in der besten Gesellschaft aufgewachsen, und jetzt war es zu spät anzufangen. Es war ein rechter Jammer; aber es gab keine Abhilfe. Man sollte sich um diese Sachen kümmern, solange man jung ist; sonst ist, wenn Alter und Krankheit sich einstellen, nichts Wirksames da, um sie zu bekämpfen.“

Das Pseudonym dieses Mannes war Mark Twain, und der ist wohl den meisten als der Autor der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. Doch er ist keineswegs ein Kinderbuchautor, nicht nur weil die Geschichten der beiden Jungen weit mehr als bloße Unterhaltung für junge Leser bieten.
Bekannt wurde der 1835 geborene Erzählkünstler durch seine humoristischen Geschichten, die seit den 1860er Jahren in Zeitungen und Wochenblättern erscheinen (Der berühmte Springfrosch von Calaveras)
Nach der Kindheit in Hannibal am Mississippi, wo er bereits mit 13 eine Lehre als Setzer absolvierte, wird er Lotse auf dem Strom, der nicht nur die Kulisse für Tom und Huck’s Abenteuer bildet, sondern in dem Buch Leben auf dem Mississippi als wichtige Lebensetappe in den Mittelpunkt gerückt wird. Aus der Lotsensprache stammt auch sein Pseudonym. Besonders erfolgreich sind seine humoristischen Reiseberichte Die Arglosen im Ausland, Bummel durch Europa und die Romane Der Prinz und der Bettelknabe und Ein Yankee an König Artus’ Hof, die später auch verfilmt wurden.
Twain erlebt alle gesellschaftlichen Höhen und Tiefen. Aus einer verarmten Familie kommend, die selbst noch Sklaven hielt, über Goldgräber, erfolgreicher Journalist, Verlagsbesitzer mit einem großzügigen Lebensstil endet er in Verschuldung und stirbt gesundheitlich angeschlagen 1910.

Weitere Auszüge aus seinen Büchern:
http://www.alvit.de/vf/de/mark-twain-die-schreckliche-deutsche-sprache.php
http://gutenberg.spiegel.de/twain/bummel/bummel.htm

Noch besser als seine Schriften waren seine Reden, die er als Vortragskünstler auf zahlreichen Reisen hielt, die ihn nach Europa und um die ganze Welt führten. Mehrfach gelang es ihm, sich mit Vortragsreisen aus prekären wirtschaftlichen Lagen zu befreien, in die er sich durch Spekulationen gestürzt hatte. Die schlechten Erfahrungen, die er als „Geschäftsmann“ machte, trugen sicher nicht unwesentlich zu seiner immer schärferen Kritik am „American Way of Life“ bei. Er verfasst sogar antiimperialistische Aufsätze wie Die vereinigten Lyncherstaaten. Bissige, schonungslose Kritik, eingebettet in Humor, getragen von einer tiefen Liebe zu Mensch und Tier – das macht das Werk dieses großes Moralisten und humanistischen Denkers aus, der trotz zunehmender Anerkennung zu Lebzeiten erst nach seinem Tode in die erste Riege der ganz großen amerikanischen Künstler aufgenommen wurde.
“Die ganze moderne amerikanische Literatur stammt von einem Buch von Mark Twain ab, das Huckleberry Finn heißt... Vorher gab’s nichts. Danach hat es nichts gleich gutes gegeben“ (Hemingway 1935)

 

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