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Musik und Literatur - Plastik und Papier

Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.     E.T.A. Hoffmann
 

Seid Ihr "Herr der Ringe" Fans? Oder Freunde von gepflegter Rock-Musik? Dann blättert weiter!
Doch erst stell' ich mal ein paar CD's vor, von denen ich meine, dass sie anhörenswert sind, nicht nur wegen der Musik, auch wegen der Lyrics!


Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei den Empfehlungen um Anspieltipps handelt, deren Vervielfältigung durch Download, Speichern und / oder Kopieren auf Datenträger untersagt ist.
    

 

CD-Tipp August 2016

Wucan – Sow The Wind

Eine Band aus Dresden mischt die Rock-Festivals im Westen auf. Allen voran Frontfrau Francis Tobolsky mit ihrer warmen hellen Stimme, die auch ab und an zur Gitarre greift und vor allem mit der Querflöte für Akzente sorgt. So klingen manche Stücke wie eine modern Ausgabe von Ian Andersons Jethro Tull, und wenn man Tim George an der E-Gitarre, Patrik Dröge am Bass und Leo Vaessen am Schlagzeug bei der Arbeit zusieht erkennt man auch äußerlich Anleihen an den 70ern. So verwundert es nicht, wenn ihr Stil als Retro-Rock oder gar moderner Krautrock eingeordnet wird, denn in manchen Passagen meint man auch Anleihen bei Frumpy herauszuhören, was aber wohl eher an der Ähnlichkeit der Stimmen von Francis und Inga Rumpf liegt. Wie auch immer, die Band, die sich erst 2014 formierte,  klingt einfach gut, und das honorieren auch junge Fans. Die 2015 erschienene CD enthält – auch das könnte eine Anlehnung an die 70er sein, 5 Stücke von 4 – 7 Minuten Länge, alle englisch gesungen, und das 15-minütige “Wandersmann”, aus ihrem ständigen Bühnenrepertoire. Natürlich analog abgemischt! Als kleines Schmankerl spielt Francis auch noch ein seltsames archaisches Instrument: das Theremin, 1920 von einem Russen erfunden und später von einem Herrn Moog weiterentwickelt.  

Empfehlungen:  Father Storm  *  Wandersmann

 

CD-Tipp August 2015

Sophie Hunger - Supermoon 

Die schweizer Songwriterin, Sängerin, Gitarristin und Pianistin Sophie Hunger tourt seit 6 Jahren durch die Welt. 4 Alben entstehen und demonstrieren ihr Können als Musikerin, Lyrikerin und Komponistin mit ihrer eigenartigen Mischung aus Jazz, Folk, Rock und Electronic, die sich in keine Schublade einpasst. Eigentlich wollte sie Pause machen, doch ohne Musik kann sie nicht leben. Längst hat sie ihre Heimat aufgegeben oder sich damit angefreundet dass Heimat für sie einfach Erde heißt. Das letzte Album Supermoon entstand unter dem Eindruck einer Ausstellung über die Entstehung der Erde. Dass sie in größeren Dimensionen denkt und fühlt sieht man nicht zuletzt daran, dass sie neben Englisch auch Französisch, Deutsch und Schwyzerdeutsch singt. Ihre Poesie wird deutlich bei Zeilen wie „ich rede leise mit ner zerbroch'nen Fensterscheibe“, die sie mit ihrer warmen Stimme intoniert. Kein Song ähnelt dem anderen, jeder wird durch neue Effekte einmalig. Fingerpicking im Titelsong „Supermoon“, Synthie-Teppich in „Mad Miles“, Gospelchor in „Superman Woman“, sphärisch und spröde „Die ganze Welt“. Auch String-Arrangements werden fein eingearbeitet, ohne schwülstig zu werden, etwa in „Fathr“. Beim chansonhaften „La Chanson d’Helene“, dem einzigen Stück das nicht aus ihrer Feder ist, holt sie sich den Fußballer Eric Cantona an die Seite. In „Heicho“ in schweizer Dialekt bekommt sie doch den Bogen in die Heimat, und verspricht, zum Sterben nach Hause zu kommen.
Neben der CD mit 12 Titeln gibt es auch eine „Buchausführung“ mit einer zweiten CD, auf der 6 Titel quasi als Zugabe drangehängt sind, die man oft auf ihren Konzerten hört, wie „The Capitalist“ oder das tolle „Spaghetti mit Spinat“. Diese Ausgabe kann ich besonders empfehlen, denn das Buch enthält wunderbare Bilder und Fotos. Und wenn man ihre Texte in Ruhe nachliest, erkennt man ihre gesellschaftskritische Poesie, z.B. in „Age of Lavender“. Sie ist nicht nur eine Ausnahmemusikerin, sondern reiht sich ein in eine Reihe großer Lyriker. Manche Kritiken sehen in diesem Album eine Hinwendung zu mehr Kommerz, weil es gerade durch die Vielfalt so inhomogen wirkt, aber die Gefahr, Chartsbrecher zu werden, besteht keineswegs, eher, dass sie endlich ein paar große Preise abräumt.

Empfehlungen:  Supermoon  *  We Are The Living  *  Spaghetti mit Spinat

 

CD-Tipp Juni 2014
Still Trees - Perfectly New
 

Perfect Brit Pop in a new style – „die Still Trees haben kompakte, harmonische Songs geschrieben, deren fragile, eingängige Melodien sie… mit offen gestimmten Gitarren tanzbar kontrastieren. Trotzdem raschelt immer etwas Melancholie im Blätterwerk der Still Trees. Vielleicht ist es dieser stilistische Bruch, der ihrem Debüt-Album „Perfectly New“ so viel Suchtpotenzial gibt, der spielerische Sommerklänge, jugendliche Rastlosigkeit und postmoderne Trostlosigkeit in sich vereint“ schreibt der Journalist Christian Gesellmann. Dem ist nicht viel hinzuzufügen. In der Tradition der Beatles und der Arctic Monkeys stehend, mischen sie die Indieszene neu auf. Ihr Sound klingt vertraut, eine Art Retro-Indie, handgemacht für drei Gitarren, Bass und Drums. Die Still Trees, das sind Willie, Simon, Krissi, Paul und Danny aus Werdau in Sachsen, und kaum älter als 18. Man ist sofort angetan von Willies sauberer, heller Stimme und der technisch versierten Gitarrenarbeit. Es fällt auf, dass kein Song ausgefadet wird, alle sind bis zum letzten Ton durchkomponiert und ausgespielt. Besonders der Opener „Even“, „Moments“ und „New“ bringen angenehm leichten Sommersound, mit druckvollen Drums, halliger Stimme und relaxten Gitarren. Etwas rockiger geht es bei „A Short Line“, „Cinammon Wakeup“ und besonders „Elusive“ zu. Rauere Gitarren, mehr Bass, mehr Groove, und trotzdem leicht. Ein sehr eindrucksvolles Debüt.

Empfehlungen:  Elusive * Atoms Humming

  

CD-Tipp April 2014
Wishbone Ash – Argus

Ich erinnere mich, wie ich heimlich während meiner Wehrzeit 1972 auf der Sanitätsstation nachts Musik hörte. Eine Band hatte es mir besonders angetan: Wishbone Ash. Argus ist das dritte Studioalbum dieser Band und erschien 1972. Eigentlich galt WBA zu jener Zeit als beliebteste Live-Band Englands, deren Studioalben nie das Niveau der Bühnenauftritte erreichten. Doch hier fand die Band wohl die beste und ausgewogenste Mischung aus verschiedenen Stilen wie Folk, Blues und melodischem und dennoch härterem Rock. Der Gebrauch der für die Band so typischen Twin-Leads – oft wird behauptet das WBA die ersteBand mit 2 Lead-Gitarren war -  und mehrstimmigen Gesang wurde hier perfektioniert. Das Line-Up mit Martin Turner - bass, vocals, Andy Powell - guitar, vocals, Ted Turner - guitar, vocals und Steve Upton – drums sowie  Keyboarder John Tout (aufThrow Down The Sword) war erstklassig.  Mein Lieblingsstück ist “Blowin' Free“, ein Konzert-Klassiker der Band, mit Southern Rock Einschlag. Genial ist auch „The King Will Come“, das nur so von guten Gesangs- und Gitarrenharmonien strotzt. „Warrior“ glänzt mit psychedelischen Ansätzen und steigert sich zum rockigste Stück der Scheibe. Ein letzter Höhepunkt ist „Throw Down The Sword“, eher etwas folkig angehaucht. Argus ist ein Meilenstein der Rockmusik und wohl auch das beste Album von Wishbone Ash. Die Band spielt alle ihre Stärken aus: mehrstimmige Vokalharmonien, tolle Gitarrenparts mit den bekannten Twin-Leads und schöne Basslines von Turner. Auch heute tourt WBA noch durch die Rockhöhlen in England und Deutschland.

Empfehlungen: Blowin' Free * Warrior 

 

CD-Tipp November 2013

The Rides – Can’t Get Enough

Zweimal wurde Stephen Stills bereits in die Rock and Roll Hall Of Fame aufgenommen und kann inzwischen auf eine fast 50-jährige musikalische Karriere zurückblicken. Nach dem legendären Woodstock-Auftritt mit Crosby, Stills, Nash & Young realisierte er eine Unzahl an Projekten. Das jüngste nun sind The Rides. Trotz des Altersunterschiedes verbinden ihn mit dem 32 Jahre jüngeren Bluesrock-Gitarristen, Singer Songwriter und fünffachen Grammy-nominierten Kenny Wayne Shepherd zwei gemeinsame Leidenschaften: alteAutos und der Blues. Zusammen mit Keyboard-Legende Barry Goldberg (ElectricFlag) aus Chicago, bringen sie nun ordentlich frischen Wind in die Bluesszene des 21. Jahrhunderts. Unterstützt werden sie dabei von Bassist Kevin McCormick und Shepherds langjährigem Schlagzeuger Chris Layton (Gründungsmitglied von Stevie Ray Vaughans "Double Trouble"). Die ohne technische Finessen auf Analog – Tape aufgenommene Scheibe  "Can't Get Enough" ist eine beeindruckende Hommage an klassische Blueser wie Muddy Waters ("HoneyBee") und Elmore James ("Talk To Me Baby"), Neil Youngs Hymne "Rockin' In The Free World" und dem Iggy Pop & The Stooges' Klassiker "Search and Destroy" aus den frühen siebziger Jahren. Schon beim Opener „Roadhouse“, den die drei gemeinsam komponierten, geht es zur Sache, während „Don’t Want Lies“ eher ein typischer, ruhiger Stills - Song ist. Sofort nach Erscheinen wurde die Scheibe als Fortsetzung der legendären „Super Session“ mit Mike Bloomfield von 1968 gefeiert, und wenn Stills sagt, The Rides sei die Band seiner Träume, kann man wohl noch einiges erwarten. Das ist wohl auch das Motto des Titelsongs „Can’t get Enough“.

Empfehlungen: Don’t Want Lies * Talk To Me Baby

 

CD-Tipp Mai 2013

Magda Piskorczyk – Blues Travelling

Vor ein paar Tagen trat Magda beim Chemnitzer Blues Festival auf, und sie war ein echtes Highlight. Eine experimentierfreudige reife, tiefe  Stimme, abwechslungsreiches Gitarren- und Bass-Spiel, und bei der Jam Session saß sie auch mal an den Trommeln. Ein Multitalent, in ihrer Heimat Polen bereits 5mal als beste Bluessängerin gewählt. Auf Polykarbonat ist die Auswahl jedoch stark reduziert, BluesTravelling ist ihre einzige Studioarbeit bisher, und die ist schon von 2005. Im Gegensatz zu ihren aktuellen Konzerten, wo afrikanische Einflüsse und Eric Clapton Pate stehen, zeigt sie sich hier eher von der ruhigen Blues-Jazz-Seite. Im Vordergrund steht ihre Stimme, die alle Höhen und Tiefen durchläuft. Die Gitarre wird eher verhalten eingesetzt, ebenso Percussion oder mal ein Saxofon. Auf den letzten Stücken, die mir am besten gefallen, besticht Michal Kielak durch sein Harmonika-Spiel. Besonders interessant auch die sehr jazzigen ersten Stücke, auf denen ein Urgestein des Polish Modern Jazz zu hören ist: Michal Urbaniak mit seiner elektrischen Violine, der sich in den 70ern mit seiner Band Fusion einen Namen machte und zu den Top Acts des internationalen Electric Jazz gehört. Urbaniak begleitet Magda nicht einfach, sondern im Duett nimmt die Violine Magdas Gesang auf, zwei Solisten von Weltrang. Die 16 Stücke sind teils Traditionals, teils Kompositionen bekannter Bluesgrößen wie Big Bill Broonzy (Get back), Eric Bibb (Nothing like you used to do), Sonny Boy Williamson (Help me), oder das berühmte Ellington Jordan Stück I’d rather go blind. Damit ist diese CD eine Bereicherung für jede Jazz- und Blues- Sammlung.

Empfehlungen: Lonely Avenue * Keep Your Lamp Trimmed And Burning * Canned Heat

 

CD-Tipp Oktober 2012

Grateful Dead – Shakedown Street

Die immerhin schon 10. Platte der Dead aus dem Jahr 1978 wird sehr kontrovers diskutiert. Eingefleischte Dead-Fans bezeichnen sie als das schlechteste dieser Kultband überhaupt. Nun muss man wissen, dass die Dead live um Längen besser waren als im Studio und eigentlich alle Studioproduktionen so gesehen schlecht waren. Und ausgerechnet beim Titelsong wurde klar, dass die Dead sich verändert hatten, klang doch da ein wenig "Saturday Night Fever" an. Auch für mich als eingefleischtem BeeGees- und Disco-Gegner damals ein Schlag ins Gesicht. Heute jedoch schließe ich mich den positiven Stimmen an, die in dieser Melange aus Rock, Funk, Blues und Raggae einen der Höhepunkte ihres Schaffens sehen. Schon das tausendfach gecoverte Intro „Good Lovin‘“ bietet Rhythmus vom Feinsten der Drummer Bill Kreutzmann und Mickey Hart, die später in dem kurzen Instrumentalstück „Serengetti“ mit Percussion und Xylophone glänzen. In „France“ bekommt man erstmals Jerry Garcias neue spanische Gitarrentechnik zu hören, und den Gesang übernehmen Donna Godchaux und Bob Weir. Gerade Donnas Stimme wurde von den einen bejubelt, von den anderen verrissen. Die besten Stücke für mich sind „Stagger Lee“, mit Garcias Gesang und einer seiner viel zu seltenen Slide-Einlagen, „Fire On The Mountain“ mit perfektem Gitarrenspiel von Garcia und Weir, einer eindringlichen Basslinie und ausgezeichneter Percussion, sowie natürlich „All New Minglewood Blues“, an dem wohl auch die Kritiker nichts auszusetzen hatten, war es doch lupenreiner Dead-Blus. Der Umstand, dass mehrere Stücke der „Shakedown Street“ festen Eingang in das vielbejubelte Live-Repertoire der Grateful Dead fand, ist wohl ein Beweis für die Qualität dieser Scheibe.

Empfehlungen:  France * All New Minglewood Blues 

 

CD-Tipp März 2012

Playfellow –Carnival Off

Die Band bzw. der Sound wird oft mit Radiohead in Verbindung gebracht, doch ich sehe das anders. Bester Indie unbestritten, Post Rock auch, aber mich erinnert‘s zuerst an die Klangmalereien von Lightning Dust oder noch mehr Warpaint. Mit 2 Gitarren, Tasten, Bass und Schlagzeug wird hier großartiges geleistet, mal sind es die Drums, mal das gesangliche Zusammenspiel von tief bis glockenhell der beiden Stimmen von Katharina Mey und Toni Niemeier, unterlegt vom Tastenzauber Andre Dettmanns. Bestes Beispiel der Steigerungslauf von „Another Weird Place“. Und bei „Echoes“ wird bei der Instrumentierung mit Violine und Cello noch eins draufgesetzt. Ja nun aber: eine zutiefst amerikanische Scheibe, deren Ursprung man irgendwo an der Pazifikküste vermuten würde, wüsste man es nicht besser: die 5 kommen aus Chemnitz – und das hätte man nun wirklich nicht erwartet. Nach dem Hören der 10-Minuten-Orgie „Carnival“ fasst man sich verdutzt an die Ohren: unglaublich, dass so was handmade in Saxony ist!

Empfehlungen:  all's asleep * carnival

 

CD-Tipp Februar 2012

Max De Bernardi & Mauro Ferrarese - The Red Wine Tapes
In 2008 startete die norditalienische Ukulele - Spielerin Veronica Sbergia das Projet “The Red Wine Serenaders”. Gute Musik, gute Stimmung, guter Wein, lautet das Motto.Gespielt wird rein akustisch, das Instrumentarium reicht von Ukulele, Gitarre, Mandoline, Kontrabass bis zum Waschbrett. Dementsprechend auch das Repertoire: Country & Chicago Blues, Ragtime, Jug, alles mit 20er-Jahre-Einschlag. Zu den Stammmitgliedern des Projektes gehören neben Veronica auch die Bassistin Alessandra Ceccala und die beiden Gitarristen Mauro Ferrarese und Max de Bernardi. Die Serenaders spielten und spielen vor allem auf Folk und Blues-Festivals in Norditalien und Südtirol, gaben aber auch in England bereits Konzerte. Ausgangspunkt dieses Projektes war eine Plattenaufnahme, die 2007 von Mauro und Max eingespielt wurde: die Red Wine Tapes. Nur mit akustischer Gitarre und Ukulele spielten sie 21 Bluesstandards ein, darunter „K.C.Moan“ der Memphis Jug Band und den „ViolaLee Blues“, der zum Standardrepertoire der Grateful Dead gehörte. Veronica gastierte auf dem Stück „Take It Easy Greasy“ von Lil Johnson, einer amerikanischen Blues-Sängerin der 30er und 40er Jahre, die u.a. vom legendären Big Bill Broonzy begleitet wurde. Und was soll man sagen: Max und Mauro sind absolute Genies im Fingerstyle.

Empfehlungen:  K.C.Moan * Take It Easy Greasy


CD-Tipp Oktober 2011

Moreland & Arbuckle – Flood

Roots Rock und Delta Blues, das sind die häufigsten Attribute, mit denen die Musik des Country-Blues Duos versehen wird, dazu einfach, derb, rau. Der Gitarrist Aaron Moreland und der Sänger / Harmonika-Spieler Dustin Arbuckle taten sich 2002 in Kansas zusammen und wurden nach der CD „1861“ als „Artist of the year“ beim Blueswax 2009 geehrt. Für mich sind sie so etwas wie eine Reinkarnation von Canned Heat, aber in Wahrheit reicht ihr Stil bis ins Mississippi Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Dabei geben sie ein erstklassiges Zeugnis, dass der Blues, gespielt in dieser Intensität und Kraft, absolut zeitlos ist. Denn die Musik ihres dritten Albums „Flood“(2010) klingt alt und gleichzeitig modern, sie hat kein Staubkörnchen angesetzt, und doch hat man das Gefühl, sie schon bei den frühen Stones der 60er gehört zuhaben. Wem „Flood“ gefällt, der wird ebenso „1861“ mögen, und natürlich (es sei denn man ist Blues-Purist) auch die ganz aktuelle „Just A Dream“, auf der der legendäre Booker-T Gitarrist Steve Cropper mitwirkt und den Sound etwas härter, lauter, dem aktuellen Garage-Rock näher wirken lässt. Auf Flood wird das Duo durch Drummer Brad Horner verstärkt, und in einzelnen Stücken setzt Moreland seine CigarBox ein, eine selbstgebaute Gitarre mit 3 Gitarren- und einer Basssaite.

Empfehlungen:  Can’t Get ClearRed Moon Rising

 

CD-Tipp März 2011

Marc Ford – Fuzz Machine
Mal wieder eine richtige Gitarren – Scheibe! Der Blues-Rocker Marc Ford jamt hier zusammen mit seinem Sohn Elijah drauflos was das Zeug hält. Die Aufnahmen sind eigentlich Aufnahmen der 2007er Fuzz Machine Tour, und „live“-feeling kommt auf beim drive der Songs. Gleich bei Cool Heads zuckt man zusammen, wenn die Gitarre, herrlich verzerrt, sich ins Hirn bohrt. Das psychedelische The Way It Goes zählt zum Beeindruckendsten des letzten Jahres. Auch in den „Liebesliedern“ My Love, You’re The One und dem Finale Future Too kommt die Intensität Marc‘s Gitarrenspiels voll zum Ausdruck. Nicht zu letzt hat die Scheibe natürlichen einen nostalgischen Touch. Sie beweist, dass das, was dem Blues & Rock Fan der 60er als das Besondere dieser neuen Musik galt, auch heute noch aktuell ist. Wer sich ein Bild machen möchte, sollte sich eine Fusion von Iggy Pops Stooges und Neil Youngs Crazy Horse vorstellen.  

Empfehlungen:  The Way It Goes * Future Too 

  

CD-Tipp September 2010
Black Mountain – In The Future 

Wenn wir schon mal bei Kanada sind, sei es die Herkunft oder der Name, muss ich jetzt die Meister selbst auf’s Podest heben. In The Future ist eine Wiederbelebung des Ende 60er / Anfang 70er Psychedelic Rocks vom feinsten. Man hört Velvet Underground, den Bowie der Helden – Ära oder die Doors, dröhnende Orgeln, düstere Gitarrenriffs und ein jaulendes Mellotron erzeugen jene Resonanzen in der Hirnrinde, die verantwortlich sind für extatischen Hörgenuss. Aber bitte, die Jungs um Stephen McBean und Amber Webber – deren Gesangseinlagen einen folkigen Kontrapunkt setzen – sind keine Retro-Rocker, die die Zeit zurückdrehen. Denn der Titel "in the future“ ist ernst gemeint und beweist, dass diese Musik bis heute nichts an ihrer Kraft eingebüßt hat und auch in der Zukunft Bestand haben wird. Nichts ist Wiederholung, vom balladenhaften "Stay Free" bis zum apokalyptischen Höhepunkt "Bright Lights“, die Band zieht alle Register. Auch die 3 eigentlich nicht zum offiziellen Album gehörenden Zugaben auf einer Extra – CD der DeLuxe Edition bauen nicht im geringsten ab und können uneingeschränkt empfohlen werden. Und für mich ist diese CD nicht nur die des Monats, sondern unangefochten die CD des Jahrzehnts.

Empfehlungen: Stay Free * Wucan * Bright Lights 

    

CD-Tipp Juli 2010
Julie Doiron – I Can Wonder What You Did With Your Day 

Alles gute kommt aus Kanada (zumindest jede Menge guter Musik), doch selten nimmt man in Europa davon Notiz. So geht es auch der inzwischen 38jährigen Songwriterin Julie Doiron, die in Ihrer Heimat schon mehrere Preise abräumte, u.a. den Juno Award.Ihre erste Scheibe erschien schon vor 25 Jahren, aber erst 2007 wurde ihr „Woke myself up“ hierzulande zur Kenntnis genommen. Ob die aus meiner Sicht beste 2009er Veröffentlichung so etwas wie einen Durchbruch bringt bleibt dennoch zu bezweifeln. Die Mischung aus einer beinahe naiv klingenden Harmonie ihrer Lieder und der sparsamen, aber teilweise rauen, expressiven Instrumentalbegleitung aus von ihr selbst geschlagener akustischer oder E-Gitarre sowie Bass und Schlagzeug, die mal schweigen und dann wieder wirbeln und treiben, macht die Einmaligkeit des Konzeptes von Julie Doiron aus. LoFi Ästhetik eines lyrischen Songwriting („I’m living the life of dreams / with good people all around”) und schepperndes Fingerpicking (“I tell myself in this beautiful light / that I’m glad to be alive”) bilden sowohl Einheit als auch Kontrast, und viel zu schnell ist die Platte mit ihren 12 meist kurzen, 2-minütigen Liedern vorüber, und man kann getrost gleich noch einmal zum Anfang springen.

Empfehlungen: Glad To be Alive * Spill Yer Lungs * Consoltion Prize

  

 CD-Tipp Mai 2010
Cross Canadian Ragweed – Mission California
Nach den CCR der frühen 70er gibt es wieder eine CCR, die einen locker-flockigen, leicht country-lastigen Rock zelebrieren, in Amerika Red Dirt genannt – hier am ehesten mit der Stadt Tulsa in Verbindung gebracht . Die 4 Jungs kommen demzufolge aus Oklahoma, und der Name der Band kommt von Grady Cross (Gitarre), Cody Canada (Gitarre und ein exzellenter Sänger), Randy Ragsdale (Drums), nur Jeremy Plato (Bass) ist nicht mit verewigt. Mission California ist bereits das sechste Studioalbum – doch in Europa haben sie wohl keine Lobby. Das Album bietet knalligen Gitarren-Rock gleich im Opener „Record Exec“ oder in „Smoke Another“, aber auch Balladen wie „Dead Man“ oder „Soul Agent“. Richtig relaxed wird es, wenn dann noch die Mundi in „The Years“ das ganze wie eine geniale Mischung aus Neil Young, Waylon Jennings und Lynyrd Skynyrd klingen lässt.

Empfehlungen: Smoke Another * The Years

 

CD-Tipp Februar 2010
Lightning Dust – Infinite Light

Lightning Dust sind die Sängerin Amber Webber und der Keyboarder Joshua Wells, in ihrem Hauptjob bei der kanadischen Indie-Rock-Band Black Mountain beschäftigt. 2007 starteten sie ihr Nebenprojekt Lightning Dust mit dem gleich-namigen Debütalbum. Minimalistischer Kammer-rock, etwas folkig, düster und melancholisch. Ein wenig poppiger kommt Infinite Light, die neue Platte daher. Auch sie wird dominiert vom brüchigen, teilweise klagenden Gesang von Amber, der auf Dauer eine ziemlich düstere und deprimierende Stimmung verbreitet, andererseits hat er seinen besonderen Reiz und kann süchtig machen. Am ehesten mag ich sie mit Marianne Faithful vergleichen wollen. Irgendwie schaffen sie den Spagat zwischen schwülstigem Synthie-Pop und spartanischem Lo-Fi, und natürlich: es ist Wintermusik. Der nicht enden wollende Winter macht depressiv und öffnet den Geist für schwermütige Gefühle. Ich bin aber optimistisch, dass ich die Platte auch im Sommer noch gerne hören werde.

Empfehlungen: Antonia Jane * Take It Home

 

CD-Tipp Oktober 2009
Joanne Shaw Taylor – White Sugar
Endlich wieder eine erfrischende Debüt – Scheibe. Im Zuge der 2009er Blues Caravan hat eine junge Lady aus England kräftig in die Seiten ihrer Fender Telecaster gegriffen, und das Ergebnis kann sich hören lassen. Und sehen lassen kann sich die blonde Joanne Shaw Taylor mit ihren 23 Jahren allemal. Zusammen mit David Smith am Bass und Steve Potts an den Trommeln lässt sie ihre Gitarre stets dominieren. Unter Ausnutzung des gesamten Griffbretts spielt sie den Zuhörer an die Wand. Auch als Sängerin kann sie sich hören lassen. Doch das ist eher Beiwerk, und so wartet man beim Titelsong „White Sugar“ vergeblich auf eine Textzeile. Es bleibt ein Instrumental, eigentlich ein gigantisches Gitarren-Solo. Und so kommt ein Stück nach dem anderen groovy, funky, heavy, aber immer mit einem Schuss Blues daher. Den Höhepunkt bildet „Time Has Come“, vergleichsweise ein Slow Blues, der alle ihre Klasse zum Vorschein bringt. Und wenn sie jetzt schon so spielt, was mag erst sein wenn sie doppelt so alt ist? Hoffen wir dass man ihr die Zeit zur Reife lässt, dass man dieses Juwel nicht im Kommerz verkommen lässt wie so manches Blues-Talent der letzten Jahre.

Empfehlung: Time Has Come

  

CD-Tipp Juli 2009
Link Wray
Ich habe keine Ahnung wieviele Liebhaber von Rock-musik mit dem Halbblut vom Stamme der Shawnee etwas anfangen können. Ich glaube aber dass Gitarrenschüler von ihm hören und bestenfalls auch lernen. Meine Begegnung war auch eher zufällig. Irgendwo hatte ich folgenden Ausspruch von Neil Young gelesen: "If I could return in time and see one band live, it would be Link Wray and the Ray Men”, und ich wurde neugierig. Fred Lincoln Wray jr. wurde 1929 in North Carolina geboren und gilt heute als das Bindeglied zwischen der Hillbilly-Musik der frühen und dem Rock’n’roll der späten 50er. Mit dem Instrumental „Rumble“ hatte er 1958 mit Platz 16 seinen einzigen großen Hit, später wurden noch „Rawhide“, „Apache“ und das in den 60ern viel gecoverte „Jack the Ripper“ bekannt. Als Folge des Koreakrieges hatt er einen Lungenflügel verloren und deshalb keine Gesangsstücke eingespielt. Später haben viele Musiker bekannt, dass es die Faszination von Link Wrays Gitarrenspiel war, die maßgeblich für eine Gitarristenkarriere verantwortlich war, wie z.B. Pete Townshend. Auch Bob Dylan greift letztlich als „Nestbeschmutzer“ zur E-Gitarre. Der Nonkonformist, der gebügelte Anzüge verabscheute und sich nicht die Haare schneiden ließ, passte nicht in das Konzept der Plattenfirmen. Erst 1970 nahm er in seinem eigenen primitiven Studio mit Hilfe seines Bruders Vernon die Platte „Link Wray“ auf, auf der er trotz seines Handicaps mit nicht gerade kräftiger, aber anrührender, manchmal nach Mick Jagger klingender Stimme arbeitet. Die Zeit des lärmenden, ungehobelt-authentischen Rock’n’rolls ist vorbei, die Platte wird von Kritikern als „eine der würzigsten Scheiben einfacher, gospelgefärbter Rockmusik" (L.A. Times) gelobt. Obwohl bis 1996 auf der Bühne, stirbt Link, der inzwischen mit seiner Frau in Dänemark lebt, 2005 ziemlich unbeachtet.  

http://www.rockabillyhall.com/LinkWray.html

Empfehlungen: Tail Dragger * Take Me Home Jesus

 

CD-Tipp April 2009
The Dandy Warhols – Thirteen Tales From Urban Bohemia
Wer Warhol mit Velvet Underground in Beziehung setzt wird bei einer Band, die sich Warhols Namen zu eigen macht, natürlich neugierig. Und wer noch zumal Fan von VU ist, wird von den Dandys nicht enttäuscht! Obwohl erst 1994 in Portland, Oregon, gegründet, ist ihre Musik tatsächlich eine Synthese von VU, den Stones und T.Rex, verpackt in die Performance einer der besten 2000er Gitarrenbands. Das jüngste Album „Earth to the Dandy Warhols“ galt der Kritik als (wieder) zu psychedelisch – aber was heißt das schon? Trotzdem habe auch ich mir zunächst mal das hochgelobte Meisterwerk „Thirteen Tales from Urban Bohemia“ auserwählt, und die 13 Stücke zeigen die ganze Bandbreite einer Band, die es irgendwie geschafft hat, trotz aller Genialität immer wieder verkannt zu werden. Mittlerweile scheint es zu ihrem Image zu Gehören, Erfolg zu vermeiden. Höhepunkt ist zweifellos das immerhin im Radio gespielte „Bohemian like you“, welches von der Kritik „als der beste Song, den die Rolling Stones nie veröffentlicht haben, gefeiert wurde. Aber eigentlich ist jeder Song besser als der andere, egal ob der psychedelische Opener „Godless“, das Gitarrenmonument „Nietzsche“, der mit Banjo aus dem Rahmen zu fallen scheinende und doch dazugehörende Country Song „ Country Leaves“, das rockig-urbane „Solid“ oder das infernalische „Horse Pills“. Auch der Ausklang mit den eher balladesk angehauchten „Big Indian“ und „The Gospel“, die noch einmal einen neuen Stil hereinbringen, kann sich hören lassen. Einziges Manko: der Gesang von Courtney Taylor ist manchmal etwas dünn. Trotzdem: In den 70ern hat man oft von sogenannten „Superalben“ oder Alben des Jahr-hunderts gesprochen, heute scheinen diese ausgestorben zu sein. Die „13 Tales“ können aber getrost zu den besten Alben der Neuzeit gezählt werden.  

Empfehlungen: Bohemian Like You * Shakin' * Country Leaver

 

CD-Tipp Februar 2009
Loudon Wainwright III – Album III
In Europa, besonders in Deutschland, ist Loudon ziemlich unbekannt. Nachdem ich mal einen Kassetten-Mitschnitt vom Radio gemacht hatte hörte ich lange nichts mehr von oder über ihn. Und da ich seinen Namen nur vom Hören kannte bedurfte es einiger Recherchen, bis ich wusste, dass der mich schon beim ersten Hören faszinierende Singer – Songwriter Wainwright der Dritte hieß. Da es hier auch keine CD-Auswahl gab und die Scheiben, wenn überhaupt verfügbar, recht teuer waren, besorgte ich mir einige direkt aus den USA. Als Loudon mit 24 Jahren sein erstes Album herausbrachte (1970), auf dem er echte Folksongs nur mit Akustik-Gitarre zum besten gab, wurde er als der „neue Dylan“ gefeiert. Auf dem dritten Alben, welches ich hier besonders empfehlen möchte, spielt er mit Band: 2 E-Gitarren, Drums, Bass, Piano und eine Fiddle zaubern einen wunderschönen Sound zu seiner hohen, ausdrucksstarken Stimme, und auch French Horn, Mundharmonika, Banjo oder Steel Pedal kommen zum Einsatz. Seine Lieder sind selbstironisch, witzig, aber auch sozialkritisch. „used to have a red guitar till I smashed it one drunk night, smashed it in the classic form as Pete Townshend might. Threw it in the fireplace left it there a while…” heißt es in “Red Guitar”, welches auf seinen einzigen kleinen Hit “Dead Skunk” (Nummer 16 der US charts, Mai 1973) folgt. In 38 Jahren hat Loudon 25 Alben produziert, und er geht regelmäßig auf Tour, leider nur in den Staaten.

Empfehlung von Album IBlack Uncle Reemus

Empfehlungen von Album III: Dead Skunk * Smokey Joe's Cafe

 

CD-Tipp Dezember 2008
Asa
Die Euphorie einiger Fans, dass sie die Charts erobern wird, kann ich nicht teilen. Denn dafür ist ihre Musik einfach zu gut! (Bestenfalls Amy McDonald hat dieses Jahr das Zeug, mit guter Musik und Chartsplatzierungen aufzuwarten.) Mit einiger Verspätung komme ich nun dazu, eine der wohl besten Neuerscheinungen des Jahres zu würdigen. Die Nigerianerin Asa, 1982 in Paris geboren, wächst in Lagos auf und liebt die Musik. In Vaters Plattenschrank stehen Marvin Gaye und Bob Marley, aber auch afrikanische Stars. Nach der High School kehrt sie nach Paris zurück und macht sich in der Afro-Szene einen Namen mit eigenen Stücken, die sie mit der Gitarre begleitet. 2007 wird dann dieses Album aufgenommen. Zufällig sehe ich ihren Auftritt beim Jazz Baltica Festival und bin spontan begeistert! Die CD wird mein. Man kann sie in keine Schublade tun, auch wenn sie gern als neue Soul Sensation verkauft wird. Natürlich hat ihre Stimme den Soul, aber ihre Musik lässt mal Reggae und Blues, mal Funk und Folk anklingen, gewürzt mit einem Schuss Afro-Pop. Doch nichts ist dominant, die Songs lassen Raum für ihre Stimme, die in englisch-afrikanisch tief und sanft daherkommt, es ist Weltmusik vom feinsten.

Empfehlung: Jailer

 

CD-Tipp August 2008
Fabienn Shine & the Planets
Ich wollte eigentlich nur mal schauen, was aus Linda Perry, der Frontfrau der 4 Non Blondes geworden ist, da stieß ich auf den Namen Fabienne Shine, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Ohne eine Rezension und ohne Anspielstück im Internet kaufte ich die 2008 erschienene Scheibe. Und gleich beim ersten Hören war ich überwältigt. Eine sensible Powerfrau, die sich nicht an der Mode orientiert, rockt hier mit unterschiedlichen Bandmitgliedern durch diverse Studios in Paris, New York und Hollywood. Wegen der ständigen Veränderungen in Raum und Zeit nennt sie das Bandprojekt Planets. Neben der klassischen Besetzung mit Gitarre, Bass, Drums und meist noch Piano / Orgel kommen in jedem Titel von Sitar bis Synthesizer kleine Schmankerl hinzu. Dass sie afro-französischer Abstammung ist und lange in Paris lebte merkt man an den orientalisch angehauchten "Life Is a symphony" und "In Shallah" mit Sitar-Begleitung, dass sie von Nico entdeckt wurde und in den späten siebziger und achtziger Jahren mit Jimmy Page, Alice Cooper, Black Sabbath und AC/DC auftrat hört man am heavy sound von "Dancing for Eternity", psychedelisch wird’s bei "Mr. President" (mit Akkordeon) oder "Cruisin' on PCH" sowie dem Synthie-Sound "If I was a Planet". Und dass sie den Bogen von Heavy Metal bis zum New Soul von 2007 spannen kann zeigt ihre Version des Klassikers "River Deep, Mountain High" (der einzigen Nicht-Shine-Komposition), der einer Amy Winehouse zur Ehre gereichen würde. Das Album (ihr zweites nach 10 Jahren!) erzählt ihre Lebensgeschichte, schreibt sie im Booklet. Mag diese Geschichte nun öfter solche Super-Scheiben hervorbringen.

Empfehlungen: Life Is A Symphony * Dancing For Eternity * If I Was A Planet  

  

CD-Tipp April 2008
Bruce Springsteen – We shall overcome  The Seeger Sessions
35 Jahre Musikgeschichte - der Boss bedarf wohl keiner Vorstellung. Mit seiner E Street Band hat er vor allem mit seinen Live-Auftritten für Furore gesorgt, nicht zuletzt 1988 in Ost-Berlin. 2005 und 2006 hat Bruce 16 Musiker in das Wohnzimmer seiner Farm eingeladen und – ohne irgedetwas zu proben – ein gutes Dutzend Lieder aus dem American Songbook von Folk-Legende Pete Seeger eingespielt. Mit Fidel, Banjo, Piano, Western-Gitarre, Posaune und Akkordeon wird munter drauflosgespielt und –gesungen. Aber wie! Hinreißend, mitreißend, die geilste Mugge aller Zeiten, wann hat man je so viel Spielfreude erlebt? Was die Session Band aus der angestaubten 65er Friedenshymne oder den Traditionals macht ist einfach genial. Springsteen geht es dabei nicht bloß um ein Denkmal für Pete Seeger, sondern um die Wurzeln der amerikanischen Musik überhaupt. Zu hören ist swingender&rockender Country&Folk Dixieland von nie gehörter Intensität und Lässigkeit. Man muss kein Fan vom Boss oder von Seeger sein, man muss weder Country noch Jazz mögen – aber wer diese Scheibe nicht mag dem ist nicht zu helfen! Der Soundtrack zum Melting Pott USA!Übrigens: die Scheibe enthält auf einer Seite die eigentliche CD, die andere Seite enthält einige Video-Clips, die genau so viel Spaß machen. Und es gibt mehrere Varianten der Scheibe, neben der Original-Version mit 13 Titeln eine Dual-Disc Version mit 15 und die besonders zu empfehlende, wegen des großen Erfolges nachgeschobene American Land Edition mit 18 Tracks.

Empfehlungen: Mary Don't You Weep * Pay Me My Money Down  

  

CD-Tipp Februar 2008
The Monks – Black Monk Time
Es gibt noch eine Steigerung. In der dunkel-sten Ecke der Raritätenkiste liegt eine Scheibe, deren Cover ganz schwarz ist, und darauf steht in großen Lettern „monks“. Deshalb habe ich hier statt des Covers ein Foto eingestellt. Denn schon das Äußere der 5 GI’s aus Gelnhausen in Hessen ist anachronistisch, wie auch ihre Musik. Und ausgeflippte Musik liebte ich schon in meiner Kindheit, und als ich neulich mal in den Annalen unseres „1964 Greatest Who Fan Club“ blätterte (wir waren damals zwischen 12 und 15), stand in der Jahreswertung 1965 auf Platz 2 „Complication“ von THE MONKS. Dunkel erinnerte ich mich, dass es eine sehr „harte“ Beatscheibe war, doch alle Nachforschungen nach den Urhebern blieben erfolglos. Die Monks waren abgetaucht, weder in den Lexika von Julia Edenhofer noch bei Graf/Rausch fanden sie Erwähnung. Hatte ich das nur geträumt? Gab es die Monks wirklich? Und dann, inzwischen hatte ich alle Nachforschungen aufgegeben, kommt neulich im WDR ein Film: „Monks – The Transatlantic Feedback“, ein Film über 2 Jahre westdeutscher Musikgeschichte mit amerikanischem Hintergrund über eine Kultband. The Monks waren ausgegraben. Ihre Manager hatten ihnen Mönchstonsuren und schwarze Kutten verpasst, und sie sollten die Anti – Beatles werden. Mit brachialem, minimalistischem Rhythmus, lautem Gesang, kreischender Orgel und plärrendem Banjo erschreckten sie ihre Zuhörer. In der Hamburger Szene beliebt, kamen sie im restlichen Deutschland, vor allem im katholischen Süden, als Mönchsimitate mit Anti-Vietnam Liedern in Avantgarde – Verpackung nicht an. Dennoch erhielten sie einen Plattenvertrag, es erschien „Black Monk Time“ und 3 Singles, darunter jenes „Complication“, was wahrscheinlich auf dem Soldatensender „The Voice of America“ gespielt wurde und uns junge, harte Beatfans umhaute. Dann war es vorbei. Der ständige Druck, eine Rolle spielen zu müssen, gepaart mit Erfolglosigkeit, ließ sie 1967 auseinander gehen, und ihre Spuren verloren sich. Bis 30 Jahre später sich irgendwer erinnerte, man sprach davon dass Jimi Hendrix ihre revolutionäre Methode der elektronischen Rückkopplung übernommen hätte, sie wurden Kult, spielten 99 ein paar Konzerte (und eine neue CD "let's start a beat"), und heute kennt sie nicht nur Wikipedia.

Empfehlung: Complication  

 

CD-Tipp Dezember 2007
John Mayall – Blues from Laurel Canyon
Ich habe zu Weihnachten mal ganz tief in die Raritätenkiste gegriffen und eine reinrassige „weiße“ Blues – Scheibe herausgeholt. Gemacht hat sie der unsterbliche John Mayall, der 1963 im reifen Alter von 30 in London die Bluesbrakers gründete. In jener legendären Band lernten Eric Clapton und Jack Bruce (Cream), die 3 Gründer der Fleetwood Mac Peter Green, John McVie und Mick Fleetwood, sowie auch Dick Heckstall-Smith von den unver-gessenen Colosseum und viele andere Rockstars ihr Handwerk. Im Sommer 1968 löst er diese Band mal auf und macht Urlaub in Kalifornien, in Laurel Canyon im Raum LA. Die Erlebnisse liefern den Stoff zu jener Platte, die in mancher Beziehung revolutionär ist. Sie stellt nämlich ein Konzeptalbum dar, wie es im Blues noch nie da gewesen ist. Es beginnt mit der Landung, Flugzeugpropellergeräusche gehen nahtlos in den Rhythmus von „Vacation“ über, und „Fly tomorrow“ markiert die Heimreise. Dazwischen berichtet er über seine Erlebnisse, die Begegnung mit Frank Zappa („2401“) oder Canned Heat („The Bear“), und eine Liebesgeschichte mit einer unbekannten Mrs. James. Die Stücke gehen ohne Pause ineinander über, es ist ein Gesamtwerk aus 12 genialen Blues Tracks mit Mayall an den Keyboards (besonders die Hammond Orgel ist hörenswert), eingespielt mit Mick Taylor an der Gitarre, der dann zu den Rolling Stones geht, Stephen Thompson am Bass und Colin Allen (später „Stone the Grows“) an den Drums. 1969 kehrt Mayall übrigens nach Laurel Canyon zurück, baut ein Baumhaus und lebt dort bis 1979, wo es leider abbrennt. Doch er selbst und seine Musik lebt weiter. Die Scheibe zählte aus irgendeinem Grund nicht zu den Topsellern, sondern war immer ein Insider-Tipp, aber ein verdammt guter.

Empfehlung: 2401 * The Bear

  

CD-Tipp November 2007
Rockpile – Seconds of Pleasure
Zufällig hab’ ich in einer Rockpalast – Wiederholung Rockpile gesehen. Die spielten einen so erfrischenden Rock’n’roll, dass ich weiter recherchierte und fündig wurde. Rockpile war von 1976 bis 1981 eine Liveband, die das Ergebnis langjähriger Bemühungen des Gitarristen Dave Edmunds war, einen Mix aus traditionellen Rock’n’roll, Rockabilly und Rhythm&Blues für eine neue Generation salonfähig zu machen. Edmunds, der 1970 seinen Superhit „I hear you knocking“ hatte und bereits 1968 mit seiner Band Love Sculpture und dem Charts Erfolg „Sabre Dance“ (nach Chatschaturian) seine Gitarren-Virtuosität unter Beweis stellte, veröffentlichte einige Titel unter dem Namen Rockpile, aber erst die Band mit Nick Lowe, Billy Bremner und Terry Williams trat als Rockpile auf und veröffentlichte 1980 das einzige Album „Seconds of Pleasure“. Die Veröffentlichung von 2004 ist um sieben Bonus Tracks erweitert, die aus dem Live-Repertoire der Band stammen und ihre Qualitäten erst richtig zur Geltung bringen. Besonders die Studioaufnahmen stehen im Erbe der Everly Brothers, geradlinig, dynamisch, voller Spielfreude. Nicht unbedingt eine legendäre Scheibe, aber ein kleines Schmankerl für’s CD-Regal.

Empfehlung: Crawling From The Wreckage  

  

CD-Tipp September 2007
The Stooges

Wer hat den Punkrock erfunden? Die Sex Pistols oder Clash? Den Begriff hat erstmals Lenny Kaye, Gitarrist bei Patty Smith 1972 gebraucht. Doch hört man sich einige Bands der End-60iger an, haben sie den Stil schon vorweggenommen, natürlich Velvet Underground, aber auch MC5 und eben sie: die Stooges. Zwei Platten erscheinen 1969 und 1970 ohne kommerziellen Erfolg, dann ist die Band schon wieder am Ende. Auf „The Stooges“, produziert von Velvet- Bassist John Cale, bricht sich der brachiale Sound erstmals Bahn. Sieben mal lässt es der charismatische Frontmann krachen: Iggy Pop, ein Mann, der die ganze kurze Karriere der Stooges lang ständig an der Kippe zum durch Amphetamin und Wahn bedingten Kollaps zu toben und singen schien. Dazu die treibende, ungezähmte Gitarre von Ron Asheton, die scheppernden Drums von Scott Asheton und Dave Alexanders Bass. Die Riffs von „1969“, „I wanna be your dog“ oder „No fun“ lassen heutige Punkrocker doch ziemlich alt aussehen. Dazwischen das psychedelische „We will fall“, auf dem John Cale selbst Viola spielt. Alles in allem zeigt Iggy, der kurze Zeit später auf Betreiben von David Bowie noch mal die Stooges zusammenbringt und 2002 tatsächlich eine weitere Reunion zustande bringt, dass Punk nicht nur Lebenseinstellung ist, die es einfach krachen lässt, sondern auch hochwertige Musik sein kann. Nicht umsonst gelten die wenigen Stooges- Platten trotz ihrer Erfolglosigkeit als Meilensteine, die einen Stil geprägt haben.Übrigens gibt's auf der 2005er CD als Bonus noch 10 alternative Abmischungen der Titel, die teilweise sogar noch besser sind.

Empfehlung: Smells Like Teen Spirit

  

CD-Tipp März 2007
Colosseum Live

Zuerst eine schlechte Nachricht: am 18.12.2004 verstarb Dick Heckstall-Smith an Krebs. Und nun die gute Nachricht: seit 1994 gibt es sie wieder, die wohl unbeachtetste Super-Group der Rock – Geschichte. Colosseum touren wieder in der legendären Live- Besetzung von 1971, als die vorliegende Platte erschien! (Nur Heckstall-Smith, der begnadete Saxophonist (er spielt bei seinen Soli Tenor- und Sopran-Sax gleichzeitig) wurde durch Barbara Thompson, Ehefrau von Jon Hiseman, dem Bandgründer, ersetzt.) Hiseman glänzt mit druckvollem Schlagzeug, Dave Greenslade lässt die Orgel röhren, und Clem Clempson bearbeitet die Gitarre so psychedelisch, dass Jimi Hendrix grüßen lässt. Und nicht zu vergessen die lautmalerischen Einlagen von Chris Farlowe, der sich mal den Blues von der Seele schreit und dann wieder eine Jodeleinlage gibt, aber immer mit der brodelnden Spielfreude der Musiker Schritt hält, sie nach vorne treibt. Ja, was soll man sagen? Blues – Rock (“Stormy Monday Blues”), Jazz – Rock (“Walking in the park”), eine Schublade gibt es nicht. “Skelington”, “Tanglewood 63” und das phantastische “Lost Angeles“ dokumentieren eine geniale Fusion der Stile, bei denen das Rock-Element als treibende Kraft ganz klar dominiert. Obwohl die Bandmitglieder mit Graham Bond, John Mayall, John McLaughlin, Humble Pie und anderen in Verbindung gebracht werden müssen und zu den allergrößten ihres Faches gehören ist es nach diesem Album still geworden. Hiseman hatte erkannt, dass eine Steigerung nicht mehr möglich ist! Deshalb gibt es nur ein Fazit: Colosseum live ist ein Meilenstein der Rockgeschichte und eines der besten je gemachten Alben!Wem Colloseum live von 71 zusagt, der sollte auch in die 94er Reunion edition reinhören und -schauen (CD/DVD set). Im April 2007 tourten sie durch Deutschland, und sie spielten 35 Jahre später dieses Programm mit der gleichen Freude wie einst, was auch auf der Rarität "Colosseum live 05" zu hören ist.

Empfehlung: Lost Angeles (1) * Lost Angeles (2)

 

CD-Tipp Dezember 2006
Loreena McKennitt – An Ancient Muse
Diesmal fiel die Wahl zwischen drei tollen Scheiben ziemlich schwer, aber letztlich hat das Klischee gesiegt, zu Weihnachten darf es etwa besinnlich sein. Und da passt diese weltreisende Lady mit ihrer jede Genre-Grenzen überwindenden celtic world music einfach phantastisch: Loreena McKennitt, Jahrgang 57, in Manitoba geboren, im Schmelztigel der Kulturen Toronto lebend, wenn sie nicht auf Reisen ist. Und an einer solchen Reise lässt sie uns teilhaben auf An Ancient Muse. Griechenland, die Türkei, China und zurück bis nach Schottland sind die Stationen, und überall spürt sie den keltischen Wurzeln nach, verwoben in orientalische Klangteppiche. Es ist einfach genial, wie sie Weltkultur in Weltmusik verwandelt, dabei auch Musiker aus aller Welt mitwirken lässt und von E-Gitarre bis zu Gambe und Lyra ein weitreichendes Instrumentarium in einer harmonischen, meditativen Tonsprache vereint, überlagert von Loreenas glockenheller Stimme. Was soll man hier hervorheben? The english Ladye and the knight, Beneath a Phrygian sky, Caravanserai – man müsste alle 9 Songs aufzählen. Und man bedauert, dass nach 55 Minuten alles vorbei ist.

Empfehlungen: Beneath A Phrygian Sky * Caravanserei

 

CD-Tipp November 2006
The Who – Who’s Next
Der eine oder andere mag ja die Fernsehserien von CSI anschauen und von den markigen Titelsongs begeistert sein, ohne deren Urheber zu kennen.

Wer zu meiner Generation gehört und Rockfan ist weiß natürlich Bescheid: Die Songs sind von The Who! Mit 15 war ich ultimativer Who-Fan, und wenn ein Radiosender die BeeGees oder anderen „Schnulz“ spielte wurde sofort weggedreht... Die psychedelische Mods-Hymne „My Generation“ war der ultimative Kick. Und The Who waren eine Band der Superlative, nur die Stones konnten sich noch mit ihnen messen. 1971 erschien mit Who’s next ein Album, welches Kritiker als einen Meilenstein der Rock-Geschichte bezeichneten. In UK auf Platz 1, in den USA nur auf 4, aber nach dem Album „Tommy“, mit dem The Who Geschichte geschrieben haben, ist musikalisch noch eine Steigerung gelungen. Die neu gemasterte CD von 1995 bietet ausgezeichnete Klangqualität und 7 Bonus-Tracks. Höhepunkte sind natürlich die CSI-Intros „Baba O’Riley“ und „Won’t get fooled again“, aber eigentlich gibt es keinen einzigen Hänger, und die Bonus-Version von „Behind blue eyes“ als letzter Track kommt viel zu früh, man möchte mehr! Pete Townshend an den Gitarren sowie auch mit Synti-Einlagen, John Entwistle am Bass, Roger Daltreys Stimme und der geniale Keith Moon an den Schlagzeugen sind auf ihrem Zenit angekommen – wie die Rockmusik überhaupt.

Empfehlung: Won't Get Fooled Again

 

CD-Tipp September 2006

Joel Harrison – Free Country
Irgendeine Rezension hat mich neugierig gemacht, da hab ich mir diese Scheibe gekauft. Songs von Johnny Cash oder Woody Guthrie, und die vielgelobte Pianistin Norah Jones dabei, das konnte doch nicht schlecht sein. Joel Harrison sagte mir bis dato nichts. Und es hat sich gelohnt! Eine tolle Mischung, in der Country-Klassiker reichlich ungewohnt in free jazz Arrangements mit Boogie-Woogie Piano und Violin – Melancholie daherkommen, oder wie bei Cashs Folsom Prison Blues mit rauer R&B-Gitarre. Und überall der energiegeladene Beat einer gewissen Mrs. Alison Miller an den Drums. Ein Highlight ist die Version des Tennessee Waltz, Norah Jones Stimme schwingt sich über sanft dahinplätschernde Bassbegleitung, sparsam mit Gitarre, Saxophon, Violine und Akkordeon gewürzt. Überhaupt, die Jones, Grammy - Gewinnerin und Tochter von Ravi Shankar, sie dient hier als Zugnummer und ist wirklich eine verdammt gute Sängerin, die gern die Jazz-Schublade aufstößt und einfach tut, was ihr Spaß macht. Doch die Musik dieser Scheibe hat Harrison gemacht, ein experimentierfreudiger amerikanischer Gitarrist. Sie wird 2003 zuerst auf einem deutschen Jazz-Label veröffentlicht und räumt gleich ein paar Preise in Deutschland ab, bevor sie in Amerika erscheint. Jazzkritiker machen lange Gesichter – kein visionärer Jazz. Aber die Scheibe heißt nicht ohne Grund Free Country. Harrisons Bearbeitungen amerikanischer Traditionals sind originell und abwechslungsreich und für den, der einfach nur gute Musik sucht, ohne eingefleischter Jazz-Fan zu sein, eine echte Bereicherung.Und dann kann man sich gleich noch The little Willies zulegen...

Empfehlungen:  Folsome Prison Blues * Tennessee Waltz

  

CD-Tipp Juli 2006
Greg Graffin - Cold as the Clay
Country – dargeboten von Rock-, Pop- und Jazz-größen - ist in letzter Zeit angesagt, wie man an der Vielzahl von Veröffentlichungen erkennen kann. So wollte ich hier eigentlich die neueste Scheibe Roadrunning von Mark Knopfler vorstellen, die er zusammen mit Emmylou Harris eingespielt hat und ein echter Ohrwurm ist. Aber dann dachte ich, dies hieße Eulen nach Athen tragen. Auch Springsteene oder Norah Jones mischen mit. Dann kam mir der Bad Religion's Sänger Greg Graffin in die Hände. Wie auch seine berühmten Kollegen nimmt sich Graffin, produziert von seinem Bad Religion Kollegen Brett Gurewitz, neben einigen neuen Songs alte amerikanische Traditionals, Folk und Country Songs vor. Diese werden standesgemäß mit Fiddle, Banjo und Harp eingespielt, unterstützt von den Weakerthans und Julie Holland. Graffin will an seine Wurzeln, seine Kindheit in Wisconsin und Indiana erinnern. Die Eigenkompositionen kommen vergleichsweise rockig daher. Das macht auch das Problem dieser Scheibe aus: Sie ist schön anzuhören, aber irgendwie fehlt der Rahmen, der alt und neu zusammenhält. Trotzdem eine schöne, sehr zu empfehlende Platte, die eine ganz andere Seite eines Punk Rock Singers zeigt. Fans von Bad Religion sollten sich die Platte vor dem Kauf jedenfalls anhören...

Empfehlung: Don't Be Afraid To Run

 

CD-Tipp März 2006

 Gentle Giant - Aquiring the Taste

Allein wenn man die Liste der Instrumente durchgeht, welche die 6 Musiker auf diesem ihrem zweiten Album erklingen lassen, wird klar, dass es sich hier nicht um Rockmusik im üblichen Stil handelt. 6-String- und 12-string Gitarre, E-Piano, Orgel, Mellotron, Vibraphon, Moog, Celesta, Klavichord, Cembalo, Alt-Sax, Tenor-Sax, Klarinette, Trompete, Bass, Violine, Viola, E-Violine, Tamburin, Gongs, Kuhglocken, Maracas – und mehr. Progrock hieß es 1971, als die Scheibe erschien. Symphonisch-Polyphoner Kammerrock sagen Kritiker heute. Ja, die freundlichen Riesen zelebrierten einen Stil, der seinesgleichen suchte. Jazzige und klassische Elemente, mehrstimmiger Gesang, und insgesamt sehr abwechslungsreich. Die Platte enthält auch das einzige Stück, was einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, „Wreck“, denn GG produzierte nicht für Hitparaden, sondern für eine kleine, dafür um so mehr begeisterte Fangemeinde. Das besondere an der 2006er Auflage vom Repertoire Label, die auf nur 3000 Stück limitiert ist, ist das aufwändige Remastering. Klarer, sauberer und dabei dynamischer Sound, anders als bei vielen remasterten CDs, bei denen nur entrauscht wurde und das Ergebnis fade und flau klingt, hat hier jemand (er bleibt auf dem Cover unerwähnt) in liebevoller Kleinarbeit alles rausgeholt, was ursprünglich drin war. Und auch die Aufmachung zeigt die Liebe zum Detail, statt einer CD Box wurde das Original-Klappcover der Platte auf CD-Größe geschrumpft und mit einem Text-Booklet versehen. Alles in allem ein Juwel, jedoch nicht für jedermanns Ohren.

Empfehlungen: Wreck * Plain Truth

 

CD-Tipp Februar 2006
Neil Young - Prairie Wind

Am 12. November 2005 wurde eine Rocklegende 60. Altstar Neil Young hat in seiner bis heute anhaltenden Karriere ca. 40 Alben eingespielt. Sein aktuelles Werk „Prairie Wind“ ist ein intimes, warmes, aber auch konservatives Album, es kommt daher wie der sanfte Prärie-Wind. Aufgenommen in Nashville, setzt es die Tradition von Harvest und Harvest Moon fort. Countryfolk - geprägt die Musik, ohne Effekthascherei, zärtlich und manchmal durch allzu viel Gospelchor und Bläser etwas schwülstig – der echte Fan hätte sich hier vielleicht eher etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Ebenso uramerikanisch sind die Texte: Bisonbevölkerte Weiten, der Tod des Vaters, die Kindheit und Gott. Insgesamt ist die Stimmung von Tod und Vergänglichkeit gezeichnet, aber immer noch blickt Neil nach vorn. Und so heißt es auf dem ersten Song: "It’s a long road behind me, it’s a long road ahead…"Und das der “alte Mann” auch vor technischen Neuerungen nicht zurückschreckt, beweist er dadurch, dass der normalen CD noch eine DVD beigelegt ist, auf der unter anderem alle Songs noch mal in PCM 96kHz Audioformat für allerhöchste Qualitätsansprüche zu finden sind.

Empfehlung:  The Painter

  

CD-Tipp Januar 2006
Alvin Lee & Mylon Lefevre - On the Road to Freedom
Je öfter ich diese Scheibe höre desto mehr begeistert sie mich. Die älteren erinnern sich bestimmt noch an die britische Band Ten Years After und an deren Front-mann Alvin Lee. Spätestens seit Woodstock galt „Speedfinger“ als schnellster Gitarrist der Welt. Doch irgendwann war es auch an Alvin, über Soloprojekte nachzudenken. Und so entstand 1974 dieses Album, welches endlich auch als CD vorliegt. Und was für eine! Ich hätte es nicht geglaubt – nichts mehr von den rasenden Gitarren-Monologen, die TYA und eben Alvin berühmt gemacht hatten. Nein, "On the road to freedom " ist ein Meilenstein in Sachen Country Rock, wunderschönes Songmaterial, eine gekonnte Mischung aus Rock, Blues und Country, nie langweilig. Die Songs sind entweder von Lee selbst oder dem Gospelsänger Mylon Lefevre, sie teilen sich in die Gesangsparts und ergänzen sich prächtig. Eine Ausnahme gibt es, „So sad (No love of his own)“ stammt aus der Feder von George Harrison. Und wenn man das Inlay aufblättert, ist man überrascht, in welch illustrer Runde das Album eingespielt wurde! Eine All Star Band mit Steve Winwood, Mick Fleetwood, Jim Capaldi, Tim Hinckley, Ron Wood und eben George Harrison selbst bedient die Instrumente. Alvin Lee scheint hier wirklich den Schlüssel zu einem für ihn völlig neuen, aber erstklassigen Sound gefunden zu haben. Leider – aber das macht dieses Album besonders wertvoll - währte diese Meisterleistung nur dieses eine Album lang. Eine Fort-setzung dieser hervorragend in Szene gesetzten "On the road to freedom" Geschichte gab es leider nicht, auch wenn er auf späteren Solo-LPs immer mal wieder mit solchen „amerika-nischen“ Anleihen aufwartet. Übrigens: die 30 Jahre hört man diesem Werk keineswegs an, es könnte auch gestern aufgenommen worden sein!

Empfehlungen: So Sad * On The Road To Freedom * Funny * Fallen Angel

  

CD-Tipp November 2005
Moya Brennan - Two Horizons

Kennt Ihr Moya Brennan? Nein? Vielleicht aber wenigstens ihre jüngere Schweste Enya, bekannt durch den Single-Hit „Orinoco Flow“ und den Sound Track zum „Herrn der Ringe“. Bereits seit den 70ern macht Moya mit der Band Clannad, gegründet von Mitgliedern ihrer Familie, Irish Folk als Sängerin und Multiinstrumentalistin, zum Beispiel mit der Harfe. Später gehört auch die 9 Jahre jüngere Enya zur Band, die jedoch als erste den Weg zu einer Solokarriere startet. Seit 1992 veröffentlicht Moya auch Soloalben. Mit „Two Horizons“ legt die sympathische Irin mit der großen Stimme nun ihr erstes Konzeptalbum vor. Es ist die Geschichte einer Reise, einer Suche nach einer Harfe, die über magische Fähigkeiten verfügt und in altvorderer Zeit bei Tara, dem heiligen Versammlungsort der alten irischen Hochkönige gespielt wurde. Die Harfe steht nicht nur im Mittelpunkt der Handlung von "Two Horizons", sondern übernimmt auch die musikalische Federführung. Dazu gesellen sich eine Vielzahl für die irische Folklore typischer Instrumente, wie Fiddle, Bodhran, Drehleier, diverse Pipes und Whistles. Teils in detailverliebten Soloarrangements, teils in opulentem Zusammenspiel als keltisches Orchester weben sie den Teppich, von dem aus sich Moyas vortreffliche Stimme erhebt und in ätherische Sphären entschwebt. Ruhige, atmosphärische Klänge voller Emotionen beherrschen "Two Horizons", ein Album aus einem Guss, ein knapp sechzigminütiges Gesamtkunstwerk, eine wahre 'Celtic Symphonie', an der neben Moya weitere 22 Musiker mitgewirkt haben.

Empfehlung: Two Horizons

  

CD-Tipp September 2005
Turin Brakes - Jack In A Box

Turin Brakes ist ein seltsamer Name für eine Band, die aus England stammt und mit Italien und FIAT nichts am Hut hat. Das junge Duo Olly Knights und Gale Paridjanian beginnen ihre gemeinsame Karriere 1999. Bald überzeugen sie mit ihren Liveauftritten die englische Musikpresse und veröffentlichen 2001 mit "The Optimist LP"  ihr erstes Album. Dank Knights warmer, sinnlicher und gleichzeitig etwas rauer Stimme sowie Paridjianians Folk-Gitarre wird es zum Überraschungserfolg. Das Nachfolgealbum "Ether Song" erscheint 2003. Erwartungsvoll mit Lorbeeren überschüttet, ist es aufwändiger produziert und von einer gefestigten Fünf-Mann-Band in Los Angeles eingespielt. Für ihr drittes Album richten sie sich in einem Londoner Keller ein Aufnahmestudio ein, stopfen es mit einem Sammelsurium an Instrumenten voll und lassen ihrer Kreativität freien Lauf, ohne auf Dritte angewiesen zu sein. Das selbst geschriebene, selbst eingespielte und selbst produzierte "JackInABox" erscheint im Frühsommer 2005.

Empfehlung:  Jack In A Box 

 

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